Chinas Firmen verkaufen unbezahlte Rechnungen an Banken

In China häufen sich die Zahlungsausfälle. Unternehmen gehen nun in grösserer Zahl dazu über, unbezahlte Rechnungen an Banken zu verkaufen.
09.10.2016 15:37
In China ist die Zahl von Firmenpleiten angestiegen.
In China ist die Zahl von Firmenpleiten angestiegen.
Bild: cash

Immer mehr chinesische Industrieunternehmen verkaufen unbezahlte Rechnungen von Kunden an Finanzdienstleister - angesichts eines Rekordniveaus an Zahlungsverzögerungen.

Sany Heavy Equipment International Holdings beispielsweise, ein chinesischer Maschinenbauer, hat Geschäftsberichten zufolge damit begonnen, Forderungen mit einem Abschlag zu veräussern - eine Methode, die auch als Factoring bekannt ist. Wettbewerber Zoomlion Heavy Industry Science & Technology erklärte derweil in seinen Finanzberichten, dass er diese Praxis wieder aufgenommen habe.

"Mehr Unternehmen in China haben damit angefangen, das Factoring und ähnliche Arrangements zu nutzen, um ihre Forderungen zu reduzieren, weil der Cashflow knapper wird", sagt Roy Zhang, Associate Director bei Fitch Ratings in Hongkong. "Es ist ein Anzeichen für Liquiditätseinschränkungen eines Unternehmens."

Mehr Unternehmenspleiten

Zwar kann der Verkauf von Forderungen ein nützliches Werkzeug sein, um saisonale Schwankungen beim Cashflow auszugleichen. In Chinas Fall jedoch passiert das in einer ausgedehnten Periode an Zahlungsverzögerungen vor dem Hintergrund des langsamsten Wachstums in einem Vierteljahrhundert.

Die Unternehmenspleiten in China waren im vergangenen Jahr um 24 Prozent nach oben geschnellt - und in diesem Jahr dürfte es wohl wieder um 20 Prozent aufwärts gehen, zeigen Schätzungen des Pariser Kreditversicherers Euler Hermes Group.

Aktuell brauchen Unternehmen den Rekordwert von 92 Tagen, um das Geld für abgeschlossene Verkäufe einzutreiben. Grundlage hierfür ist der Median von 2920 Firmen ausserhalb der Finanzbranche, die in Shanghai und Shenzhen gelistet sind.

Probleme wegen Überkapazitäten

Die Forderungen bei diesen Unternehmen sind in den vergangenen zwölf Monaten um 18 Prozent auf das Rekordhoch von 3,5 Billionen Yuan (467 Mrd. Euro) angestiegen, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Dadurch ist bei Industrie-Unternehmen der Anteil der Umsätze, den sie aufwenden müssen, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten, auf 32,5 Prozent geklettert - so viel wie seit dem Jahr 2001 schon nicht mehr. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Wert lediglich bei 22,5 Prozent.

"Dieser Markt hat ein grosses Potenzial wegen der Probleme, die sich aus der Überkapazität in vielen Branchen in China ergeben", sagt Shen Xiguo vom staatlichen Vermögensverwalter China Great Wall Asset Management. Die Firma kauft Forderungen auf, etwa vom Boer Power Holdings.

Ein Vertreter für Investor-Relations bei Boer Power, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, die Entscheidung zum Verkauf von Forderungen an China Great Wall Asset Management könne für stabile Cashflows sorgen und es dem Unternehmen ermöglichen, hoch-qualitative Kunden zu behalten, die für die Zahlung ihrer Rechnungen länger brauchen würden.

Firmen brauchen Barmittel

Zoomlion hatte im ersten Halbjahr 1 Milliarde Yuan an Forderungen an eine Bank verkauft. Das Unternehmen reagierte nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme. Sany begann im März mit dem Verkauf von Lieferforderungen an Finanzinstitutionen ohne Rückanspruch mit einem Rabatt von 9 Prozent, zeigen Pflichtmitteilungen. Ein Vertreter der Firma sagte, er könne keine Angaben machen, die über den Zwischenbericht hinausgehen würden.

Wenn Unternehmen "keine Verhandlungsmacht gegenüber ihren Kunden haben und gebeten werden, Zahlungsziele für Lieferanten zu verlängern, dann bekommen sie es mit Druck bei der Liquidität zu tun", sagt Ivan Chung, Chef für Kredit-Analysen Region Greater China bei Moody’s Investors Service in Hongkong. Sie müssen dann "Forderungen mit Abschlag verkaufen, um schneller an Barmittel zu gelangen".

(Bloomberg)