Clinton hat nach engagierter TV-Debatte die Nase vorn

Hillary Clinton hat beim ersten TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten ihren Kontrahenten Donald Trump auf Distanz halten können.
27.09.2016 06:31
Hillary Clinton macht am ersten TV-Duell eine gute Figur.
Hillary Clinton macht am ersten TV-Duell eine gute Figur.
Bild: Bloomberg

Nach einer teils hitzig geführten, mehr als 90 Minuten langen Debatte wirkte Clinton für die meisten Beobachter abgeklärter und inhaltlich besser vorbereitet.

"Diese Debatte war nicht seine beste, aber es kommen noch zwei", schrieb Trumps republikanischer Parteifreund und Wahlkampfhelfer, New Yorks früherer Bürgermeister Rudy Giuliani, auf Twitter. "Ich versichere Euch, dass Donald Trump bei der nächsten Debatte besser vorbereitet sein wird." Eine erste Blitzumfrage des Senders CNN sah Clinton mit 62 Prozent vorn, Trump sahen nur 27 Prozent der Befragten als Sieger.

Trump machte einen teils aggressiven und oftmals atemlosen Eindruck, als er die Fragen von Moderator Lester Holt beantwortete, öfter fiel er Clinton ins Wort. Clinton gab sich meist gelassen und versuchte, mit Argumenten zu überzeugen. Häufig reagierte Clinton auf Trumps Anwürfe belustigt.

Grösstes politisches TV-Ereignis der vergangenen Jahre

Die Debatte in der Hofstra University in Hempstead (New York) wurde auf mehreren US-Fernsehsendern sowie via Twitter und YouTube weltweit als Livestream im Internet übertragen. Bis zu 100 Millionen Zuschauer wurden erwartet. Das Fernsehduell gilt als eines der grössten politischen TV-Ereignisse der vergangenen Jahre. Umstritten ist, wie gross der Einfluss von TV-Debatten auf den Wahlausgang ist.

Innhaltlich gerieten beide unter anderem bei Themen wie dem Kampf gegen den internationalen Terror, beim Handel und bei der Integration der afroamerikanischen Minderheit aneinander.

Trump lobte sich in einem Teil der Debatte selbst. "Ich habe die deutlich bessere Urteilsfähigkeit als sie", sagte er. "Sie sieht nicht wie eine Präsidentin aus, sie hat nicht die Ausdauer dazu." Die "Washington Post" bezeichnete Trump, der vor der Debatte in den meisten Umfragen knapp hinter Clinton zurücklag, in Teilen als "ziellos".

"Die ungleiche Behandlung von Schwarzen und Weissen ist nach Ansicht von Clinton nach wie vor eines der grössten Probleme der USA. "Wir müssen das Vertrauen zwischen den Kommunen und der Polizei wiederherstellen", sagte sie in der TV-Debatte. Jeder müsse sich an das Gesetz halten. "Wir müssen die Waffen aus den Händen derer wegnehmen, die sie nicht tragen sollten", betonte sie. Donald Trump sagte, Amerika brauche mehr "law and order", Recht und Ordnung. Clinton wolle diese Wörter nicht einmal benutzen.

«Sie müssen bezahlen»

Die frühere Aussenministerin setzte sich für eine härtere Gangart im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein. "Wir müssen die Luftangriffe auf den IS intensivieren", sagte sie. "Wir müssen auch Bagdadi jagen", sagte sie über den Anführer der Terrormiliz, Abu Bakr al-Bagdadi. Trump warf der Administration von US-Präsident Barack Obama schwere Fehler vor und wiederholte seine Darstellung, die USA hätten die Ölquellen des Iraks besetzen müssen, um sie vor dem IS zu schützen.

Donald Trump will, dass Deutschland und Japan und andere Länder für den Schutz durch die USA zur Kasse gebeten werden. "Sie müssen bezahlen", sagte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner in der Nacht zum Dienstag in der ersten TV-Debatte mit seiner Konkurrentin Hillary Clinton. Das gelte auch für Saudi-Arabien. "Die grösste Bedrohung der Welt ist die nukleare, nicht wie Du und Dein Präsident es sieht, der Klimawandel", sagte Trump.

Trump widersprach der Darstellung Clintons, er werde als Sicherheitsrisiko angesehen und für nicht tauglich gehalten, die Rolle des Oberkommandierenden der US-Armee zu übernehmen. "Mehr als 200 Admirale und Generäle unterstützen mich", sagte Trump. "Ich werde sicher nicht den nuklearen Erstschlag führen." Er behauptete erneut, er sei stets gegen den Einmarsch der USA in den Irak gewesen. Diese Behauptung ist mehrmals widerlegt worden.

Trump gewährt keinen Einblick in Steuererklärungen

Der New Yorker Milliardär forderte Clinton hinsichtlich ihrer E-Mail-Affäre heraus. Er werde seine Steuerunterlagen veröffentlichen, sobald Clinton diejenigen 33 000 E-Mails publik mache, die sie als Aussenministerin über einen privaten Server gesendet hat und die noch nicht von der US-Bundespolizei FBI aufgefunden werden konnten.

Traditionell veröffentlichen Präsidentschaftskandidaten in den USA ihre Steuererklärungen, um dem Wahlvolk einen Einblick in ihre Verdienst- und Vermögenssituation zu geben. Clinton hat dies ebenfalls getan. Trump weigert sich bisher beharrlich. "Irgendetwas versteckt er", sagte Clinton.

Hinsichtlich ihrer E-Mails, die sie als Aussenministerin unerlaubterweise von einem privaten Server versandt und empfangen hatte, erklärte Clinton: "Ich habe einen Fehler gemacht." Trump bezog hinsichtlich seiner umstrittenen Äusserung, US-Präsident Barack Obama sei möglicherweise nicht in den USA geboren, keine eindeutige Stellung. Im Wahlkampf hatte er die nicht haltbare Äusserung bereits zurückgenommen.

Beim Zankapfel "Internationaler Handel" warf Trump Clinton mehrmals vor, ihre Ansicht zur Transpazifischen Handelspartnerschaft unter zwölf Pazifikanrainern mehrmals geändert zu haben. "Du hast gehört, was ich dazu gesagt habe und dann warst Du dagegen", sagte Trump. Clinton widersprach dem. Trump trat zudem für eine Erleichterung des Regelwerks für die Gründung neuer Unternehmen ein. Die Schaffung von Arbeitsplätzen müsse erleichtert werden.

(AWP)