Clinton profitiert von Riss in Trumps Partei

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump bringt immer mehr Parteifreunde gegen sich auf, und Hillary Clinton profitiert davon.
06.08.2016 07:10

Die Demokratin hat ihren Vorsprung vor ihrem Rivalen ausgebaut und gewinnt inzwischen sogar prominente Unterstützer unter den Republikanern. In einer am Dienstag veröffentlichten Wahl-Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Instituts Ipsos kommt Clinton auf 43 Prozent der Stimmen. Trump wollten 35 Prozent der Umfrageteilnehmer ihre Stimme geben, auf andere Kandidaten entfielen neun Prozent. Allein von Freitag bis Dienstag baute Clinton ihren Vorsprung von sechs auf acht Prozent aus. Für die Umfrage wurden 1289 Bürger interviewt, die voraussichtlich zur Wahl gehen werden.

Trump polarisiert seit jeher mit Forderungen nach einem Einreiseverbot für Muslime oder nach einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Mit seiner Kritik an der Familie eines im Irak getöteten muslimischen US-Soldaten brach er vor einigen Tagen aber ein Tabu. Gold-Star-Familien, die Angehörigen im Krieg gefallener US-Soldaten, gelten als unantastbar.

Republikaner für Clinton

Prompt hagelte es scharfe Proteste auch aus Trumps eigenen Reihen. Unter den Kritikern sind der prominente Senator John McCain, der Präsident des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, und der Anführer der Republikaner im Senat, der zweiten Kammer des Parlamentes, Mitch McConnell. Trump entzog daraufhin seinen Parteifreunden McCain und Ryan per Interview in der "Washington Post" die Unterstützung für deren Wiederwahl. Ryans Wahlkampf-Büro erklärte dazu lapidar, weder Ryan noch sonst jemand in seinem Team habe je um Trumps Unterstützung gebeten.

US-Präsident Barack Obama sprach Trump jegliche Eignung für das Amt des Staatsoberhauptes ab und bezeichnete den Kandidaten als "erbärmlich unvorbereitet". An die Adresse der Republikaner sagte der Demokrat Obama, wenn sie Trump wiederholt kritisierten und seine Äusserung als inakzeptabel bezeichneten, müssten sie sich die Frage stellen, warum sie ihn noch immer unterstützen.

Das fragt sich inzwischen manch ein Republikaner selbst. Mehrere Parteifreunde haben Trump bereits die Unterstützung entzogen. Als erster Republikaner erklärte nun der New Yorker Abgeordnete Richard Hanna, er werde Clinton wählen. Hanna, der wohl nicht mehr für das Repräsentantenhaus kandidieren wird, nannte als Grund für seine Entscheidung Trumps Bemerkungen über die Familie des getöteten Soldaten.

Wirtschaft für Demokratin

Auch aus der Wirtschaft gewinnt Clinton unerwartete Hilfe. Die Chefin von Hewlett Packard, Meg Whitman, nannte Trump einen "autoritären Charakter" und eine Gefahr für die Demokratie. Whitman, die für ihre Republikanische Partei schon viel Geld beschafft hat, sagte, sie werde Clinton in ihrem Wahlkampf "erheblich" unterstützen.

Auf Facebook schrieb Whitman: "Die Republikaner allein wegen der Loyalität zur Partei zu wählen, hiesse, einen Kandidaten zu unterstützen, der meines Erachtens Wut, Missstände, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus instrumentalisiert. Donald Trumps Demagogie hat das Wesen unseres nationalen Charakters untergraben." Erst am Vortag hatte US-Investorenlegende Warren Buffett die Fähigkeiten Trumps infrage gestellt und für Clinton Wahlkampf gemacht.

(Reuters)