Clinton will mit Kaine als Vize Weisses Haus erobern

WASHINGTON (awp international) - Hillary Clinton will mit Ex-Gouverneur Tim Kaine als Vize-Kandidaten an ihrer Seite im November das Weisse Haus erobern. Die ehemalige US-Aussenministerin gab ihre Entscheidung am Freitag via Twitter bekannt, drei Tage vor Beginn des Parteitages der Demokraten in Philadelphia. Dort soll sie offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt werden.
23.07.2016 17:33

Mit Kaine wählte sie keine "Wahlkampfkanone", sondern einen ruhigen ausgeglichenen Politprofi. Der 58-Jährige war Stadtrat, Bürgermeister, Vize-Gouverneur sowie Gouverneur und ist derzeit Senator.

"Er ist ein Mann, der sein Leben dem Kampf für andere gewidmet hat", schrieb Clinton. "Er ist ein unverbesserlicher Optimist, der glaubt, dass kein Problem unlösbar ist, wenn man nur die nötige Arbeit darauf verwendet, es zu lösen."

Kaine twitterte zurück: "Ich fühle mich geehrt, ihr Vize zu sein." Am Samstag wollten beide in Miami erstmals als Bewerber-Duo an die Öffentlichkeit treten.

Der Nominierungsparteitag der Demokraten mit mehr als 4000 Delegierten und Zehntausenden Gästen beginnt am Montag. Zu den Rednern zählt auch US-Präsident Barack Obama.

Nach ihrer offiziellen Bestätigung werden Clinton und Kaine gegen das republikanische Gespann Donald Trump und "Vize" Mike Pence antreten. Trump, der keinerlei politische Erfahrung hat, setzt im Wahlkampf auf verbreitete Unzufriedenheit der Wähler mit dem politischen Establishment.

Entsprechend bezeichnete er Clinton und Kaine am Freitag auch als ein Duo von Insidern und rief die Wähler auf: "Lasst keine dritte Amtszeit von Obama zu."

Kaine war Gouverneur von Virginia und vertritt den Bundesstaat seit 2013 als Senator in Washington. Er gilt als gemässigt und hat selber eingeräumt, dass Charisma nicht seine Stärke ist: Er sei eher langweilig, sagte er scherzend.

Clinton entschied sich nach Einschätzung von Experten für ihn, weil sie meint, dass Erfahrung und Zuverlässigkeit die attraktivste Alternative zu Trump darstellen. Ausserdem zählt Virginia zu den möglicherweise wahlentscheidenden Swing States.

Clinton hatte ein halbes Dutzend möglicher Kandidaten in die engere Auswahl genommen. Dazu zählten der aufstrebende afroamerikanische Senator von New Jersey, Cory Booker, und die kämpferische linksliberale Senatorin Elizabeth Warren.

Kaine galt aber von Anfang an als Favorit. Die frühere Aussenministerin hatte stets betont, der Vizepräsident müsse vom ersten Tag an in der Lage sein, notfalls auch das Weisse Haus übernehmen können. Dazu sei unter anderem aussenpolitische Erfahrung notwendig.

Die kann Kaine nachweisen. Dem Ex-Gouverneur, der fliessend Spanisch spricht, wird auch ein guter Draht zur Latino-Minderheit in den USA nachgesagt. Das Wahlverhalten dieser Bevölkerungsgruppe gilt als möglicherweise entscheidend./ch/dm/DP/zb

(AWP)