CNN-Quest: «Das Risiko liegt in Europa»

Den USA geht es wirtschaftlich viel besser als Europa, sagt CNN-Starmoderator Richard Quest im cash-Interview am WEF in Davos. Er warnt vor Korrekturen an den Börsen.
24.01.2013 04:00
Von Daniel Hügli, Davos
Der britische Journalist Richard Quest (51) moderiert bei CNN die Sendung "Quest Means Business".
Der britische Journalist Richard Quest (51) moderiert bei CNN die Sendung "Quest Means Business".
Bild: ZVG

cash: Richard Quest, Sie waren schon viele Male in Davos am WEF. Wie unterscheidet sich die diesjährige Ausgabe von anderen WEF-Jahren?

Richard Quest: Die Themenvielfalt ist wieder breiter geworden. In den letzten Jahren gab es fast nur ein Thema: Krise. Jetzt wird wieder diskutiert, wie die Wirtschaft wieder in Bewegung kommt, aber auch die Arbeitslosigkeit oder Risiken werden vermehrt thematisiert.

Was sagen Sie zur Zusammensetzung der WEF-Teilnehmer?

Ist es bloss meine persönliche Wahrnehmung oder tatsächlich Realität? Aber wir haben in diesem Jahr noch mehr Vertreter aus den Schwellenländern hier in Davos. Das Gleichgewicht ist anders. WEF 2013, das bedeutet nicht mehr bloss die Grossunternehmen aus den industrialisierten Ländern. Davos 2013 heisst jetzt auch Malaysia, Indien, Aserbaidschan, Peru und so weiter. Das WEF hat sich sozusagen neu ausbalanciert.

Eine gute Entwicklung?

Die Entwicklung ist unvermeidlich. Vor allem sehen wir, woher das künftige Wachstum der Weltwirtschaft herkommt und stellen fest, dass sich die Gewichte nach Osten verschieben. Diese Länder und Unternehmen werden eine immer grössere Rolle spielen.

Es fällt auf, dass in diesem Jahr weniger Vertreter aus den USA am WEF sind. Was ist los?

Schauen Sie, ich bin lange genug am WEF, um festzustellen, dass sich die Dinge hier immer abwechseln. In den USA hatten wir kürzlich die Wahlen und gerade die Feier des Amtsantrittes des Präsidenten. Das ist das eine. Das andere: So wenige Vertreter aus den USA hat es hier gar nicht, wie Sie meinen.

Sie sagten es: Vor 12 Monaten war die europäische Schuldenkrise das dominierende Thema. Was sagen Ihnen die CEO der weltweit führenden Unternehmen, wenn Sie sie nach den Wirtschaftsaussichten befragen?

Fast alle sagen dasselbe: Langsame und schwerfällige Erholung. Und: Der Euro wird nicht kollabieren, die Eurozone wird nicht verschwinden. Das tönte vor einem Jahr noch ganz anders. Ich persönlich schätze die Situation so ein: Das Risiko befindet sich immer noch in Europa.

Die USA haben auch Probleme...

Klar, beim Budgetstreit wurde vieles bloss verschoben und nicht gelöst. Aber der Unterschied, den wir bei Tagesschluss sehen (redet sich in Fahrt): Die USA haben Wachstum, Europa stagniert. Die USA haben eine Arbeitslosenrate von 7,7 Prozent, Europa dagegen eine von 11,5 Prozent. Das ist der Unterschied.

Wir stecken mitten in einer Rally der Aktienmärkte...

(unterbricht) ...die Märkte starteten die Rally von tiefen Niveaus, ja...

...wie gehts weiter an den Börsen?

Die Unternehmen haben noch viel Cash-Positionen in den Bilanzen. Die Rally ist da, aber nicht das Wachstum. Daher sind jederzeit Korrekturen möglich.