Corbyn will Brexit ohne Vertrag "um jeden Preis vermeiden"

(Meldung nach der Rede dem gesprochenen Wort angepasst) - Der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn hat dringend vor einem Brexit ohne Vertrag gewarnt. "Er muss um jeden Preis von allen Beteiligten vermieden werden", sagte der Labour-Politiker am Freitagabend in Lissabon. Er lehnte den von der britischen Regierung ausgehandelten EU-Austrittsvertrag erneut ab.
07.12.2018 20:28

Wenige Tage vor der Abstimmung im britischen Parlament warb er für einen alternativen Plan, der Grossbritannien nach dem Austritt viel enger an die Europäische Union binden würde. Dazu gehöre eine "umfassende Zollunion mit der EU", in der London bei künftigen Handelsabkommen mitreden dürfe, sagte Corbyn beim Kongress der europäischen Sozialdemokraten.

Hinzu kommen solle "eine neue, starke Beziehung zum Binnenmarkt", die "reibungslosen Handel" ermögliche. Dabei soll eine Migrationspolitik möglich sein, "die den Bedürfnissen unserer Wirtschaft entspricht". Bisherige EU-Standards bei Arbeit, Umwelt und Verbrauchschutz sollen als Sockel neuer Regelungen erhalten bleiben.

"Wir sind zuversichtlich, dass der Alternativplan von Labour eine Mehrheit im britischen Parlament bekommen, unser Land zusammenführen und die Blockade in den Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zur EU lösen könnte", erklärte Corbyn.

Seine Vorschläge sind nicht ganz neu und lassen viele Fragen offen. Sie könnten aber einem Status ähneln, wie ihn heute Norwegen hat. Eine Abkehr vom Brexit befürwortete Corbyn nicht, obwohl er selbst beim Referendum 2016 für den Verbleib in der EU gestimmt habe: "Wir respektieren diese Entscheidung. Es ist unsere Aufgabe, das zu formen, was jetzt kommt."

Labour werde in jedem Fall Mitglied der europäischen Sozialdemokraten bleiben: "Innerhalb oder ausserhalb der Europäischen Union sind wir im tiefsten Innersten Internationalisten."

(AWP)