Coronavirus: Doppelte Ansteckungszahl - Superspreader-Fall weitet sich aus

Das Coronavirus breitet sich in der Schweiz wieder stärker aus. Innert eines Tages hat sich die Zahl der Neuansteckungen mehr als verdoppelt. Der Superspreader-Vorfall im Kanton Zürich zieht zudem weitere Kreise. Auch Schulen wurden wieder geschlossen.
01.07.2020 16:09

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) innerhalb eines Tages 137 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden, wie das BAG am Mittwoch mitteilte. Das ist mehr als das Doppelte der am Dienstag gemeldeten 62 Fälle. Zudem ist es das erste Mal seit Anfang Mai, dass die Zahl wieder über die hunderter Marke gestiegen ist.

Nachdem die Ansteckungszahl Ende Mai und bis Mitte Juni relativ tief war und das Schlimmste überstanden zu sein schien, nimmt seit ein paar Tagen die Besorgnis über ein erneutes Aufflammen der Krise wieder zu. Dazu tragen auch Ereignisse bei, die schon kurz vor oder nach dem letzten Lockerungsschritt zu grossen Menschenansammlungen geführt haben, etwa Demonstrationen oder zuletzt Partys mit vielen Gästen.

Superspreader-Fall weitet sich aus

So scheint sich der Fall des Superspreader-Events im Kanton Zürich vom 21. Juni weiter auszuweiten. Damals hatten sich mindestens fünf Personen bei einem im Club "Flamingo" anwesenden Infizierten angesteckt, 300 Personen wurden daraufhin in Quarantäne geschickt.

Zu Beginn der Woche wurde dann bekannt, dass sich in Spreitenbach AG über 20 Personen in der "Tesla-Bar" mit dem Virus infiziert haben. Die Behörden geben an, dass die Infektionen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" mit dem Club in Zürich zusammenhängen.

Am Dienstagabend drehte der Fall dann weitere Kreise. Der "Terminus"-Club in Olten SO gab bekannt, dass ein Gast positiv auf das Virus getestet worden ist. Die Person hat sich über eine Drittperson angesteckt, deren Infektion bis zum Fall Spreitenbach AG zurückverfolgt werden könne, wie die Staatskanzlei Solothurn am Mittwoch mitteilte. Auch hier wurden 300 Personen in Quarantäne geschickt. Sie sind bislang nicht positiv auf das Virus getestet worden.

Im Kanton Zürich wird derweil versucht, den Herausforderungen des Nachtlebens in Bezug auf Corona mit schärferen Vorschriften zu begegnen: Weil im Zürcher Club ein grosser Teil der zwecks Contact-Tracing hinterlassenen Namen und Adressen falsch war, müssen Besucherinnen und Besucher ab Freitag neu ihre Identitätskarte vorweisen und ihre Handynummer überprüfen lassen. Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) gab die Neuerungen am Mittwochnachmittag bekannt.

Auch einige Schulen schliessen - früher Ferien

Auch an diversen Schulen sind neue Corona-Fälle bekannt geworden. So haben etwa für 240 Schüler der Sekundarschule in Bassecourt JU die Sommerferien vorzeitig begonnen, weil ein Lehrer positiv auf Covid-19 getestet worden ist. Der betroffene Lehrer sei in Quarantäne, sagte der jurassische Regierungspräsident und Erziehungsdirektor Martial Courtet gegenüber dem lokalen Radiosender Radio Fréquence Jura (RFJ). Schülerinnen und Schüler seien nicht betroffen. Vorsichtshalber seien mehrere andere Lehrkräfte in Quarantäne geschickt worden.

Am Tag zuvor ereignete sich das Selbe in Les Breuleux JU in den Freibergen. Wegen eines infizierten Lehrers wurden alle Lehrerinnen und Lehrer in Quarantäne geschickt. Die 112 Schülerinnen und Schüler konnten frühzeitig in die Sommerferien.

Ähnliches Szenario in Uri: Für einen Teil der Urner Schülerinnen und Schüler beginnen die Sommerferien eineinhalb Tage früher. Hier war aber eine Ansteckung im Umfeld eines Schulkindes Grund dafür. So waren seit vergangenem Freitag sechs neue Corona-Fälle bekannt geworden, teilte der Sonderstab des Kantons Uri am Mittwoch mit. Die infizierten Personen und ihr Umfeld befinden sich in Quarantäne - insgesamt über 20 Personen.

Um die Infektionsketten zu durchbrechen, setzen die Behörden nicht nur auf die Quarantäne, sondern auch auf die freiwillige Swiss-Covid-App. Sie gibt den Nutzenden bekannt, wenn sie sich zu lange in der Nähe einer Infizierten Person aufgehalten haben. Gemäss den aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) benutzten bis am Dienstagabend rund 930'000 Personen die Swiss-Covid-App. Das sind rund 10'000 mehr als am Vortag.

Bislang über 31'000 bestätigte Fälle

Insgesamt gab es in der Schweiz und Liechtenstein gemäss BAG bislang 31'851 laborbestätigte Covid-19-Fälle. Gestorben sind 1685 Menschen (+ 1 gegenüber Vortag), die positiv auf Covid-19 getestet worden waren. In Spitalpflege befinden sich 4042 Personen, sechs mehr als am Vortag.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich auf insgesamt 583'928. Bei 6,5 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. Von Dienstag auf Mittwoch wurden dem BAG 11'264 neue Tests gemeldet.

Grund zur Sorge gibt weiterhin die Reproduktionszahl R, also die Anzahl Personen, die ein mit dem Coronavirus Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Diese liegt nach Angaben der Swiss National Covid-19 Science Task Force seit Mitte Juni wieder signifikant über 1. Das heisst, dass eine infizierte Person im Durchschnitt mehr als eine weitere Person ansteckt.

(AWP)