Covid-Taskforce: Bis zu 400'000 Ansteckungen bisher in der Schweiz

Hohe Dunkelziffer: Die Covid-19-Taskforce des Bundes geht in der Schweiz wegen der Coronavirus-Pandemie von bislang 250'000 bis 400'000 Infizierten aus. Studien würden diese Schätzungen unterstützen, sagte Taskforce-Chef Martin Ackermann in einem Interview.
06.08.2020 21:10

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie in der Schweiz laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) gut 36'100 laborbestätigte Fälle. Epidemiologen seien davon ausgegangen, dass 80 bis 90 Prozent der Infizierten von Sars-CoV-2 nicht gefunden würden, sagte Ackermann in dem am Donnerstag auf der Webseite von Radio und Fernsehen SRF publizierten Interview.

Grund für die Dunkelziffer ist gemäss dem Experten für Mikrobiologie der ETH Zürich, dass Betroffene nur wenige Symptome hätten oder sich aus anderen Gründen nicht testen liessen. Eine wichtige Studie der Universität Genf zeige, dass die Schätzung beim Covid 19-Virus korrekt sei, sagte Ackermann weiter. Gemäss der Taskforce infizierten sich damit bislang drei bis fünf Prozent der Schweizer Bevölkerung.

Es sei unklar, ob diese Menschen nun immun seien gegen das Virus Sars-CoV-2, und wie lange eine Immunität anhalte, sagte Ackermann. Für eine Durchseuchung der Menschen im Land würde es laut der Taskforce lange dauern. "Wir schätzen im Minimum ein Jahr", sagte Ackermann. "Eine solche Situation mit konstant hohen Fallzahlen wäre für die Wirtschaft und Gesellschaft verheerend."

Taskforce: Durchseuchung schwierig

Auch eine sogenannte differenzierte Durchseuchung hielt Ackermann für schwierig. Die Erfahrung zeige, dass es sehr schwierig oder unmöglich sei, die Risikogruppen zu schützen, gerade, wenn es hohe Fallzahlen gebe. "Auch weil man ansteckend ist, bevor man Symptome hat."

In der Schweiz registrierte der Bund bislang 1709 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung. Doch die effektive Zahl dürfte höher liegen. Gemäss Ackermann gibt es unter den Forschenden weltweit einen grossen Konsens, wonach die Infektionssterblichkeit zwischen 0,5 und 1 Prozent liege. Eine weitere Genfer Studie habe eine Sterblichkeit von 0,64 Prozent im Kanton Genf berechnet.

(AWP)