Credit Suisse pokert im US-Hypothekenstreit

Der CS droht im Streit um Tricksereien am US-Hypothekenmarkt eine höhere Strafe als erwartet. Das US-Justizministerium habe eine Zahlung von fünf bis sieben Milliarden Dollar verlangt.
20.12.2016 13:55
Der Hypothekenstreit ist der grösste offene Rechtsfall für die Credit Suisse.
Der Hypothekenstreit ist der grösste offene Rechtsfall für die Credit Suisse.
Bild: Bloomberg

Das erklärte eine Person mit Kenntnis der Lage. Dies liegt über der von Analysten geschätzten Summe und könnte die Bilanz der Schweizer Grossbank schwächen. Ein zweiter Insider erklärte, die Credit Suisse sei auf das Angebot nicht eingegangen und strebe in der schon mehrere Monate dauernden Auseinandersetzung eine geringere Strafe an. "Die Bank ist zuversichtlich, eine bessere Lösung finden zu können", erklärte er.

US-Justizministerin Loretta Lynch habe vergangene Woche Credit-Suisse-Konzernchef Tidjane Thiam getroffen, sagte eine dritte mit der Situation vertraute Person. Dies sei ein Zeichen, dass sich die Gespräche in einem fortgeschrittenen Stadium befänden. Eine Lösung sei noch vor Weihnachten möglich. Komme es nicht zu einer Einigung, könnten die US-Behörden ein zivilrechtlichen Verfahren eröffnen und die Unsicherheit für die Bank damit verlängern. Zeitdruck besteht darüber hinaus, weil Experten nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Donald Trump am 20. Januar personelle Änderungen im US-Justizministerium erwarten. Wenn bis dahin keine Einigung erzielt ist und sich das Ministerium erst neu sortieren muss, könnte sich ein Vergleich noch mehrere Monate lang hinziehen.

CS kommentiert nicht

Die Credit Suisse und das Ministerium wollten sich nicht äussern. Der Hypothekenstreit ist der grösste offene Rechtsfall für die Credit Suisse. Die Rückstellungen für sämtliche Rechtsstreitigkeiten beliefen sich Ende 2015 auf 1,6 Milliarden Franken. Im November hatte die Bank weitere 357 Millionen Franken beiseitegelegt, ein grosser Teil davon in Zusammenhang mit Hypothekenfällen. An der Börse legten Papiere von Credit Suisse leicht zu.

Der Hypothekenstreit geht auf die Zeit vor der Finanzkrise zurück und betrifft nicht nur die Credit Suisse. Unter anderem sind auch der Erzrivale UBSBarclays aus Grossbritannien sowie die Deutsche Bank im Visier der US-Justiz. Die Frankfurter stehen einem Insider zufolge ebenfalls kurz vor einem Vergleich mit den Amerikanern. Die Strafe werde deutlich unter den 14 Milliarden Dollar liegen, die das Justizministerium im September von Deutschlands grösstem Geldhaus gefordert hatte.

Viele Grossbanken haben sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt über Jahre viel Geld verdient. Sie vergaben Hypotheken an mittellose Familien und blähten damit ihr Kreditgeschäft auf. Die Risiken wurden anschliessend an Investoren weitergereicht - in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken ebenfalls hohe Gebühren in die Kasse spülten. Der Kollaps dieses Marktes im Jahr 2007 war ein Auslöser der Finanzkrise.

US-Präsident Barack Obama wollte die Bank dafür zur Verantwortung ziehen, dass sie die Anleger über die Risiken dieser Investitionen in die Irre geführt hatten. US-Institute wie Bank of America oder JP Morgan musste insgesamt 46 Milliarden Dollar auf den Tisch legen, um die Verfahren vom Tisch zu bekommen. Nun sind die europäischen Banken an der Reihe, von denen viele bei einer möglichen neuen Krise immer noch anfällig sind. Für die Credit Suisse rechnet Mirabaud-Analyst Andreas Brun vor, dass eine Zahlung von vier Milliarden Dollar die Kernkapitalquote auf rund elf Prozent von zwölf Prozent drücken würde. Das sei machbar, werfe aber die Frage auf, ob die Bank in der Lage ist, die in Aussicht gestellte Dividende von 0,7 Franken je Aktie zu bezahlen. 

(Reuters)