Credit Suisse: Unternehmen durchschauen politischen Lärm

(Zusammenfassung) - Auch wenn die Welt populistischer geworden ist: Manager entscheiden nicht aufgrund von Stimmungen, sondern aufgrund realer Entwicklungen, wie der jüngste "Monitor Schweiz" der Credit Suisse aufzeigt.
13.06.2017 14:10

Die politischen Wirbel um den Brexit, die Wahl von Donald Trump und Emmanuel Macron manifestieren sich etwa in Devisenkursen und an den Börsen. Doch Schweizer Unternehmen reagierten auf politische Unsicherheiten erst, wenn sich eine klare Änderungen der Rahmenbedingungen abzeichne, sagte Credit-Suisse-Ökonom Claude Maurer am Dienstag vor den Medien in Zürich.

Auf die Tendenz zu mehr Populismus, mehr Abstimmungen und Initiativen reagierten die Unternehmen besonnen. Laut Maurer haben 2014 nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative Dreiviertel "realistisch" erwartet, dass die Bilateralen 2017 noch in Kraft sind. "Die Suppe werde nicht so heiss gegessen, wie sie in den Medien gekocht wird", sagte er.

Unsicherheit sei Gift für Investitionen, betont der CS-Ökonom. Dennoch gebe es seit 2011 keine klaren Zusammenhänge mehr zwischen der Entwicklung des Investitionswachstums und dem von der Credit Suisse errechneten "politischen Unsicherheitsindex". Dieser zählt die Anzahl Zeitungsartikel zu wirtschaftspolitischer Unsicherheit.

VERLASS AUF SCHÜTZENHILFE VON SNB

Entsprechend bauten die Unternehmen erst dann Personal ab, wenn sie ein Ereignis als unumstösslich und persistent betrachteten. Wesentlich zur Besonnenheit der Unternehmen trügen die Devisenmarktinterventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei.

"Die Unternehmen wissen, dass sie auf Schützenhilfe der SNB zählen können", sagte Maurer. Die SNB reagiere auf politische Unsicherheiten und mildere deren Einfluss auf die Realwirtschaft. Die Währungshüter intervenierten am Devisenmarkt, selbst in ruhigen Wochen. In Phasen mit markant erhöhter politischer Unsicherheit, intervenierten sie stärker.

Die SNB werde ihre Fremdwährungskäufe deutlich zurückfahren, aber nicht ganz einstellen, solange die politische Stabilität in Europa andauere, erwartet CS-Chefökonom Oliver Adler. Nach dem Sieg Macrons in Frankreich habe die politische Unsicherheit in Europa nachgelassen.

Laut den Credit-Suisse-Ökonomen wird die Europäische Zentralbank (EZB) im September bekannt geben, wann und wie sie die Bondkäufe zurückfährt. Die SNB dürfte erst nach der EZB die Zinsen senken - also nicht vor 2018.

SCHOCKS HÖCHSTENS AUS DEM AUSLAND

Die CS-Ökonomen halten an ihrer Wachstumsprognose von 1,5% für 2017 und 1,7% für 2018 fest und bleiben "moderat optimistisch". Das schwache Wachstum im 1. Quartal sollte nicht überbewertet werden.

Die positiven Entwicklungen in den europäischen Abnehmerländern seien gute Voraussetzungen für eine weitere Erholung der Exportwirtschaft, sagte Adler. Unter Druck bleibe die Uhrenindustrie. Der Maschinenbau dagegen profitiere von der steigenden Investitionstätigkeit im Ausland.

Gleichzeitig bleibt die Binnenwirtschaft gemäss den Ökonomen solide. Erwartete Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt sollten auch die Konsumentenstimmung aufhellen und den Konsum beleben. "Wenn, dann kommen die grossen Schocks aus dem Ausland", fügte Adler hinzu.

ra/

(AWP)