CS-Grossaktionär Katar senkt Anteil

Der Golfstaat Katar hat seine Beteiligung an der Credit Suisse reduziert. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Beteiligungsmeldung an die SIX hält Qatar Holding LLC nun Erwerbspositionen von 15,91% nach 17,98%. Der Anteil an Namenaktien beträgt 4,936%. Dieser war erst Anfang Mai 2017 mit 5,01% über die 5%-Meldeschwelle gestiegen. Seit dem Einstieg des Staats 2008 handelt es sich um die erste Veräusserungsmeldung.
16.08.2017 11:17

Katar ist der mit Abstand grösste Einzelaktionär der Grossbank. Der Staatsfonds war im Herbst 2008 nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers auf dem Höhepunkt der Finanzkrise bei der Credit Suisse eingestiegen. Das Institut konnte sich damals insgesamt 10 Mrd CHF frisches Kapital beschaffen und so seine Eigenkapitalisierung stärken.

Aktuell ist Katar von seinen arabischen Nachbarländern isoliert, angeführt von Saudi-Arabien, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrein. Sie werfen dem Emirat vor, Terrorgruppen zu unterstützen, und verkündeten Anfang Juni den Abbruch der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen. Auch Libyen, der Jemen und die Malediven schlossen sich später an.

Am Markt war daher darüber spekuliert worden, ob Katar zur Reduzierung seiner CS-Beteiligung gezwungen sein könnte, sollten die verhängten Wirtschaftssanktionen ihre Wirkung vollumfänglich entfalten.

KATAR-KRISE BELASTET GESCHÄFT

Auch wirkt sich der Katar-Konflikt nun offenbar auch auf Gesellschaften aus, an welchen das arabische Land Beteiligungen besitzt. Die "Financial Times" berichtete, dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Banken wie Barclays, Deutsche Bank und eben auch Credit Suisse informell mitgeteilt haben, dass sie ihnen dort keine neuen Aufträge bzw. Mandate mehr erteilen würden. Die Institute seien in den vergangenen Monaten bereits bei mehreren Anleihen und Krediten ausgeschlossen worden, hiess es am Markt.

Unternehmensspezifische Gründe für die Beteiligungsreduktion seien derweil eher unwahrscheinlich, heisst es am Mittwoch laut Beobachtern. So konnte die Credit Suisse etwa erst jüngst die Kapitalisierung - zuvor immer wieder Anlass zur Sorge unter Investoren und Analysten - deutlich verbessern und diesbezüglich zu vergleichbaren Mitbewerbern aufschliessen. Auch zeigte sich Ende Juli bei der Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal, dass die Bank ein grosses Stück der Neuausrichtung hinter sich gebracht hat und die neue Strategie erste Früchte trägt.

AKTIE LEICHT IM PLUS

An der Börse zeigt sich die Aktie am Mittwoch zunächst nicht von der Beteiligungssenkung belastet. Credit Suisse legen gegen 11.00 Uhr mit +0,7% im Rahmen des Gesamtmarkts zu (SMI: +0,5%). Mit einem Kurs bei 14,66 CHF haben sich die Titel mittlerweile seit dem Tief vor rund einem Jahr bei unter 10 CHF deutlich erholt.

Die Bank kommentiert die Beteiligungsmeldung nicht.

ys/uh/rw

(AWP)