Cum-Ex-Geschäfte: Deutsche Bank zieht Steuerbescheinigungen zurück

Die Deutsche Bank zieht mit Zeitverzögerung Konsequenzen aus umstrittenen Aktiengeschäften einiger ihrer Kunden. Das Geldhaus zog vor kurzem Steuerbescheinigungen zurück, mit denen zwei Firmen sich zu Unrecht beim Finanzamt Kapitalertragsteuern erstatten lassen konnten. Dem Vernehmen nach ging es um knapp 40 Millionen Euro für das Jahr 2009. Ein entsprechender Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde am Montag in Frankfurter Finanzkreisen bestätigt.
04.09.2017 10:29

Hintergrund sind sogenannte Cum-Ex-Geschäfte. Dabei schoben Investoren rund um den Dividendenstichtag Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Ausschüttungsanspruch rasch zwischen mehreren Beteiligten hin und her. Die Beteiligten liessen die Papier untereinander zirkulieren, bis dem Fiskus nicht mehr klar war, wem sie überhaupt gehörten. Ob das illegal war, ist noch nicht höchstrichterlich geklärt.

Die Folge der Karussellgeschäfte: Bescheinigungen über Kapitalertragsteuer wurden mehrfach ausgestellt, obwohl die Steuer nur einmal gezahlt wurde. Schätzungen über den Gesamtschaden für den Fiskus reichen von 10 Milliarden bis zu 32 Milliarden Euro. 2012 war das Steuerschlupfloch geschlossen worden. Etliche Banken und Investoren gerieten wegen solcher Geschäfte ins Visier der Ermittler.

"Die Deutsche Bank hat an einem organisierten Cum/Ex-Markt weder als Leerverkäuferin noch als Cum/Ex-Erwerberin teilgenommen", bekräftigte ein Sprecher des Dax -Konzerns auf Anfrage. "Die Deutsche Bank war jedoch in Geschäfte von Kunden eingebunden. Die Bank steht seit längerer Zeit mit den zuständigen Behörden in Kontakt und kooperiert dabei vollumfänglich." Anlass für den jetzigen Schritt war ein interner Prüfbericht des Instituts./ben/DP/stb

(AWP)