Danske Bank und Credit Suisse - Neue Geldwäscherei-Skandale auch für Schweizer Banken ein Thema

Mit der Danske Bank ist das Thema wohl nicht erledigt: Das Risiko, in Geldwäscherei-Skandale verwickelt zu werden, trifft viele international tätige Banken.
30.09.2018 19:03
«Den diskreten Charme der Waschmaschine» verströmen Banken heute nicht mehr gerne.
«Den diskreten Charme der Waschmaschine» verströmen Banken heute nicht mehr gerne.
Bild: Pixabay

In der europäischen Finanzwelt vergeht derzeit fast kein Tag ohne Schlagzeilen über Geldwäschereirei: Betroffen sind prominente Namen wie Deutsche Bank, Credit Suisse, sowie die Danske Bank oder die niederländische ING. Und dabei dürfte es nach Einschätzung der Beratungsagentur AlixPartners nicht bleiben.

"Wir erwarten noch mehr Fälle, wo Banken wegen Nichteinhaltung von Anti-Geldwäschereir-Regularien bestraft werden", sagte Veit Bütterlin, leitender Manager bei der Gesellschaft. Das liege zum einen an den verschärften Anforderungen der Regulierer. Damit würden automatisch mehr Banken gegen die strengeren Vorschriften verstossen.

Zudem steige auch der politische Druck, dem Problem Herr zu werden, und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Behörden funktioniere besser. "So werden mehr Fälle aufgeklärt", sagte Bütterlin. Unlängst hatte sich auch die EZB für eine Zentralagentur gegen Geldwäscherei starkgemacht.

Risiken bei internationalen Banken

Von Geldwäscherei spricht man, wenn Mittel aus kriminellem Ursprung in den Wirtschaftskreislauf eingeschleust werden. Die Herkunft der Gelder wird über komplexe Systeme verschleiert und ist für die betroffene Banken oder Unternehmen nur schwer nachvollziehbar. Anfällig dafür sind nach Einschätzung des AlixPartners-Experten vor allem international agierende Banken mit Geschäft in Risikoländern - etwa Lateinamerika, Teilen Asiens und Osteuropas. Das Risiko sei zudem hoch in Bereichen wie der Exportfinanzierung oder bei Auslandsgeschäften über Drittbanken.

Im Fokus standen hier jüngst auch die Credit Suisse und die Deutsche Bank, die sich Rügen ihrer Aufseher einfingen: Diese forderten Verbesserungen beim internen Vorgehen im Kampf gegen Geldwäscherei und stellten beiden Instituten einen Aufpasser zur Seite, der die Fortschritte überwachen soll. Noch grössere Kreise zog das Thema bei der Danske Bank, wo wegen milliardenschwerer verdächtiger Zahlungen der Chef den Hut nehmen muss. Die niederländische Grossbank ING musste in einem Verfahren wegen Geldwäscherei 775 Millionen Euro bezahlen.

Mängel in den Systemen

Diese Häufung ist nach Einschätzung von Bütterlin kein Zufall - denn viele Banken hätten grosse Mängel in ihren Systemen. Verbesserungsbedarf gebe es bei der korrekten Indentifizierung der Kunden sowie der Herkunft der Gelder - im Fachjargon als KYC (Know your customer) bezeichnet.

"Manche Banken haben für ganze Kundengruppen nicht die richtigen Informationen vorliegen", sagte Bütterlin. Das betreffe etwa die korrekte Zuordnung von mehreren Konten zu ein- und derselben Person. Zudem müssten die Institute verdächtige Transaktionen besser überwachen. Die Deutsche Bank hat selbst Mängel in ihren internen Verfahren zur Überprüfung von Kunden gefunden, wie Reuters im August berichtet hatte.

Im Fokus stünden auch Geschäfte in Verbindung mit Briefkastengesellschaften, die besonders in der Schweiz populär waren. "Briefkastengesellschaften sind nicht per se illegal, aber viele werden etwa für Geldwäscherei in Verbindung mit Korruption, Steuerhinterziehung oder Sanktionsumgehungen missbraucht", sagte Bütterlin. Die Berater schätzen, dass in der Schweiz jährlich bis zu 200 Milliarden Franken gewaschen werden. Für Deutschland halten sie einen Betrag von bis zu 100 Milliarden Euro für realistisch, während global bis zu zwei Billionen Dollar aus unklaren Quellen stammen könnten.

(Reuters)