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«Darling» Swatch muss sich anpassen

Der Uhrenkonzern Swatch gerät ins Visier der kritischen Investoren. Zu Recht. Als börsenkotiertes Unternehmen hat Swatch eine Corporate Governance von gestern.
29.05.2013 06:41
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash
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Bild: cash

Swatch-CEO Nick Hayek ist kein Freund der Aktienmärkte. Und er ist auch kein bedingungsloser Freund der Börsenkotierung des eigenen Unternehmens. Das lässt er, wie schon sein Vater, seine Zuhörer und Leser bei jeder Gelegenheit wissen.

Hayek kann sich diese und andere Widersprüche erlauben. Hayek und Swatch, das sind in der Schweiz fast "Everybody's Darling". Warum? Die anhaltenden operativen Glanzleistungen verkörpern im Ausland zusammen mit den Produkten die "Swissness" schlechthin. Ebenso gut an kommt das Querdenkertum, das Wettern gegen die Banken, die Lebemann- und Anti-Establishment-Attitüde. Die meisten Medien gehen mit den Hayeks anders um, weil Omega, Longines, Swatch und so weiter über grosse Werbe- und Marketingbudets verfügen.

Doch am heutigen Mittwoch wird sich Nick Hayek für einmal Kritik gefallen lassen müssen. An der Generalversammlung formiert sich zum ersten Mal kräftiger Widerstand gegen das Unternehmen. Kritische Swatch-Miteigentümer verlangen vom Unternehmen Zustände in der Unternehmensführung, wie sie schon überall bei gelisteten Unternehmen in der Schweiz und im Ausland etabliert sind. Zu den Kritikern gehören die Anlagestiftung Ethos oder Institutional Shareholder Service, der grösste US-Stimmrechtsberater.

Sie stossen sich zu Recht daran, dass sich der Verwaltungsrat von Swatch nur "en bloc" wählen lässt. Damit können Aktionäre per Abstimmung nicht über das Doppelmandat von CEO Nick Hayek befinden, der auch im Verwaltungsrat sitzt. Die Aktionäre kritisieren den Verwaltungsrat generell als ein Kopfnickergremium mit zu wenig Unabhängigkeit. Ein Vorwurf, der nicht von der Hand zu weisen ist. Denn mit Lindt-Chef Ernst Tanner sitzt im VR seit 18 Jahren ein Mann, der in seiner Firma ebenfalls ein Doppelmandat hält. Und mit der Baslerin und Grossaktionärin Esther Grether ist eine enge Vertraute der Swatch-Familie schon seit 27 Jahren im Aufsichtsrat.

Klar werden die kritischen Aktionäre mit ihren Anträgen nicht durchkommen. Die Familie Hayek und das Grether-Paket beherrschen fast die Hälfte der Stimmen. Die kritischen Investoren hoffen vielmehr auf einen Achtungserfolg und damit Publizität.

Das mag wenig Lohn sein für den Aufwand, den sie betreiben. Aber Shareholder-Aktivisten werden bei Swatch die gleiche Taktik des steten Tropfens wählen, der den Stein höhlt. Genau so wie im jahrelangen und schliesslich erfolgreichen Kampf gegen das Doppelmandat von Daniel Vasella bei Novartis, genauso wie bei der Kritik an den Vergütungen bei den Grossbanken.

Diese Zeichen sollten die Hayeks erkennen. Um dem lästigen Aktionärsdruck zu entgehen, bleibt ihnen die Dekotierung der Aktie und ein "Going Private" des Unternehmens. Aber ob der Konzern dazu die flüssigen Mittel hat und der Wille der Hayeks auch dazu da ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn eine Börsenkotierung mit der entsprechenden Wertsteigerung des Unternehmens und der eigenen Aktienanteile bringt ja nicht bloss Nachteile.