«Das beste Talent soll den Job kriegen»

Ronja Bosshard (27) ist Opernsängerin aus Leidenschaft. Wie sie über die Frauenquote denkt und was sie mit einer Million Franken tun würde, sagt sie in Teil II der cash-Interviewserie mit jungen Frauen in der Schweiz.
16.12.2014 01:00
Interview: Frédéric Papp
Ronja Bosshard, Opernsängerin und Model.
Ronja Bosshard, Opernsängerin und Model.
Bild: ZVG

Bis Ende dieser Woche veröffentlicht cash jeden Tag ein Interview mit jungen Frauen in der Schweiz. Heute: Ronja Bosshard (27) aus Zürich. Dort studierte sie am Konservatorium Musikwissenschaften und klassischen Gesang. Derzeit bereitet sie sich auf das Konzertdiplom vor. Ronja Bosshard hatte bereits diverse Bühnenauftritte in Deutschland sowie in Mailand. Im Opernhaus Zürich war sie in der Produktion 'Convenienze ed inconvenienze teatrali' zu sehen.

cash: Sie haben schon auf diversen Opernbühnen gesungen. Wie kamen Sie zum Singen?

Ronja Bosshard: Ich liebte es schon als Kind, auf der Bühne zu stehen und zu singen. Meine Familie hat das, was ich machen wollte, gefördert. So bekam ich schon früh einen intensiven musischen Unterricht in der Rudolf Steiner Schule und habe schon früh ernsthaft mit Singen begonnen. Mit 17 habe ich dann die sängerische Hauptrolle im Kinofilm 'Zum Abschied Mozart' angenommen. Um mich weiter zu bringen, habe ich am Konservatorium Zürich klassischen Gesang studiert und abgeschlossen. Derzeit bin ich am Konzertdiplom.

Sie können vom Singen leben?

In der Schweiz werden im Vergleich zum Ausland faire Honorare bezahlt und es gibt auch eine solide Nachfrage nach Sängern und Sängerinnen. Ich habe aber auch immer wieder Engagements in Italien und anderen Ländern.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Das kann ich so genau nicht sagen. Ich gehe dorthin, wohin die Musik mich führt. Aber ich würde gerne an der Wagner-Oper in Bayreuth singen oder selbstverständlich an der Scala in Mailand. Grundsätzlich singe ich überall gerne.

An welchen Vorbildern orientieren Sie sich?

Für mich sind alle Menschen Vorbilder, die mich weiterbringen können, seien es Dozenten oder Coaches. Selbstverständlich schaue ich auch zu einer Maria Callas oder Anna Netrebko hoch.

Sie haben bereits erste Modelerfahrungen gesammelt. Eine Alternative zum Singen?

Ich sehe das Modeln als spannende Ergänzung zum Singen, ich kann auch davon profitieren. Beim Modeln lernt man, sich in Szene zu setzen. Genau dies ist auch auf einer Opernbühne gefordert. Zudem vergrössere ich so mein Kontaktnetz. Das Modeln macht Spass. Ich bin von der Zehe bis zum Scheitel ein Bühnenmensch.

Sind Sie neben Kunst und Kultur auch politisch aktiv?

Ich bin primär Musikerin und keine Politikerin. Die Musik ist ein internationales Geschäft, in dem alle voneinander lernen. Ich habe auch keine Angst vor Konkurrenz aus dem Ausland und stelle mich dieser Konkurrenz gerne. Insofern kann ich politischen Vorstössen, welche die Schweiz isolieren wollen, wenig abgewinnen.

Wie stehen Sie denn zum Vorschlag des Bundesrates, eine Frauenquote bei Grossunternehmen einzuführen?

Die Frage ist, ob die Quote auch umsetzbar ist. Denn viele Frauen nehmen sich in der Geschäftswelt oft zurück, obwohl sie die geforderten Qualifikationen hätten. Frauen lassen sich teilweise auch diskriminieren. Dies hat mit dem immer noch stark verankerten Rollenverständnis der Geschlechter in der Gesellschaft zu tun. Die Gleichberechtigung ist historisch betrachtet ein junges Phänomen. Es wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis Gleichberechtigung weitum akzeptiert und bewusst gelebt wird.

Sie sind also gegen eine Frauenquote?

Grundsätzlich sollte das beste Talent den Job kriegen, egal ob Mann oder Frau. Falls aber eine Frauenquote hilft, das Selbstbewusstsein der Frau zu schärfen, sollte man eine Quote einführen.

Was nervt Sie an der Schweiz?

Ab und an geht der Humor etwas unter. Und insbesondere in den Städten scheinen die Menschen oft gestresst und distanziert. Es mangelt an Gemeinschaftssinn und Hilfsbereitschaft. Man darf mutig, frech, leidenschaftlich und lustig sein.

Und was schätzen Sie?

Ich liebe die Schweiz. Vor allem die Berge haben es mir angetan. Nächstes Jahr plane ich mit Freunden eine grosse Bergtour. Ich geniesse die frische Luft über 2000 Metern über Meer. Zudem habe ich mit Klettern begonnen. In schätze die Schweizer Natur sehr, aber auch die Menschen. Schweizer sind verlässlich und vertrauenswürdig. Ersteres ist im Ausland nicht immer der Fall.

Wie sind Sie privat investiert?

Derzeit habe ich wenig Zeit und Interesse, mich mit Anlagen zu beschäftigen, aber vielleicht später. Als Künstlerin benötige ich nicht viel. Ich möchte einfach mein Bestes geben. In ein paar Jahren würde ich gerne ein Eigenheim kaufen. Denn mit Immobilien hat man etwas in den Händen, Immobilien sind immer eine gute Investition.

Wenn Sie nun eine Million Franken zur Verfügung hätten, was würden Sie damit anstellen?

Ich würde ein Fest mit vielen Freunden organisieren, einen Steinway-Flügel kaufen und mir das eine oder andere Abendkleid inklusive Schuhe leisten (lacht). Einen Teil würde ich auf die Seite legen, und mit Sicherheit bliebe noch was übrig, das ich wohltätigen Organisationen spenden würde.

Was ist Ihr grösster Wunsch für 2015?

Gerne würde ich in Mozarts Opernstück 'Die Zauberflöte' als Königin der Nacht debütieren und weiterhin meine Leidenschaft für die Oper auf den Bühnen rund um die Welt ausleben können.