Das kommunikative Eigentor von Rohner

«Brady Dougan und ich haben eine weisse Weste». Die Aussage von Urs Rohner nach dem US-Steuerdeal empört die Leser von cash.ch. Die Aussage schadet der Glaubwürdigkeit des CS-Präsidenten, sagt ein Kommunikationsexperte.
20.05.2014 14:27
Von Daniel Hügli und Frédéric Papp
Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, zeigt wenig kommunikatives Gespür.

Am Dienstagmorgen tritt CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner vors Mikrofon von Radio SRF. Was er sagt, wird Rohner schon wenig später einen regelrechten Shitstorm bescheren. "Persönlich haben Brady Dougan und ich eine weisse Weste", verkündete Rohner im Radio-Interview (zum Artikel) zum Vergleich, den seine Bank mit den USA abschliessen konnte.

Empört sind nicht bloss die User von Internet-Foren und Websites sowie auch Angestellte der Credit Suisse. Auch Kommunikationsexperten finden das Statement problematisch. "Solche Aussagen sind in der Regel kontraproduktiv und werden in der breiten Bevölkerung nicht goutiert", sagt Kommunikationsberater Andreas Eigenmann, Inhaber von Eigenmann Unternehmenskommunikation, auf Anfrage von cash.

Die Aussage zeige auch, wie Rohner denke: "Ich bin nicht schuld, sondern ein paar wenige Banker." Das eigene Wohl stehe Rohner wohl näher als jenes der Bank, so Eigenmann weiter. Doch damit habe Rohner bloss Öl ins mediale Feuer gegossen. "Nun kommt der Verdacht erst recht auf, dass er um Kopf und Kragen fürchten muss", sagt Eigenmann.

Eigenmann hätte Rohner einen andere Rolle empfohlen: "Ein souveräner Auftritt hätte darin bestanden, die Angelegenheit als abgeschlossen zu betrachten und nach vorne zu blicken. Er hätte das künftige Wohl der Bank ins Zentrum stellen sollen und nicht seine eigenes. Rohner hat mit dieser Aussage bestimmt an Glaubwürdigkeit verloren", sagt Eigenmann.

"Haben Sie ein schlechtes Gewissen?"

Eigenmanns Einschätzungen erfuhren schon zuvor bei den Lesern von cash.ch die Bestätigung. Das öffentliche Reinewaschen von sich selbst und CEO Brady Dougan kam bei ihnen gar nicht gut an. "Herr Rohner, haben Sie ein schlechtes Gewissen, dass Sie das so betonen müssen?", fragt Leser "R.U.N.". "Was für faule Ausreden und was für eine bedenkliche Einstellung! Millionen abkassieren und sich aus der Verantwortung stehlen", empört sich Armin Müller. Und User "Rückbauer" doppelt nach: "Die Behauptung von Rohner, Chef Rechtsdienst in damaliger Zeit, und von Dougan, nichts von alldem gewusst zu haben, ist windig, ja himmelschreiend. Unglaublich."

Der Bereich Offshore Banking am Hauptsitz der CS habe in besten Zeiten rund 30 hochkarätige Leute beschäftigt, welche die Vehikel zur Steuerhinterziehung planten und konstruierten, so "Rückbauer" weiter. "Dieser Bereich hatte eine strategische Bedeutung, denn die Akquisition von vermögenden Ausländern mit dem Argument des Bank-/Steuergeheimnisses war Strategie, nicht nur bei der CS." Schon allein deshalb mussten die oberen Chefetagen von der Praxis zur Kundenanwerbung gewusst haben, so der cash-User.

Offiziell haben sich Dougan und Rohner nichts zu Schulden kommen lassen. Die Bankenaufsicht FINMA hat das Top-Management von einer direkten Verantwortung für Beihilfe zu Steuerhinterziehung für reiche Amerikaner freigesprochen. Die Finma habe keine Hinweise darauf, dass das Senior Management der Credit Suisse von konkreten Verfehlungen Kenntnis hatte. Linienverantwortliche hätten ihre Aufgaben unzureichend erfüllt.

Lehrlinge wissen mehr als die Chefs

Dennoch wird an der Logik und Glaubwürdigkeit von Rohners Aussagen erheblich gezweifelt. Stellvertretend für viele Kommentare schreibt Leser Heinrich Merz: "Wie kann das oberste Führungsduo der CS von einer Weissen Weste sprechen, wenn im gleichen Atemzug ein Schuldgeständnis und eine Busse von 2,5 Milliarden Franken auf dem Tisch liegt? Da zeigt sich einmal mehr, wie diese Herren die Bodenhaftigkeit verloren haben."

Die Rücktrittforderungen an Rohner und/oder Dougan werden mit dem Persilschein der Finma und dem Zahlen der Busse kaum vom Tisch sein. Der Druck auf die CS-Führung wird zweifellos hoch bleiben. "Da sind jetzt die Aktionäre als Besitzer und Geschädigte gefordert, um zum Rechten zu sehen und Konsequenzen zu fordern", schreibt cash-User Müller.

Richard Hofmann zieht dazu den Schluss: "Wenn die Lehrlinge mehr wissen als die oberste Führungsetage, dann wird es wohl Zeit zu gehen."