Das sagt SNB-Jordan seinen Kritikern

SNB-Präsident Thomas Jordan kontert im cash-Video-Interview Kritiken, die Nationalbank habe mit dem überraschenden Ende der Kursuntergrenze ihre Glaubwürdigkeit verloren. Das Gegenteil sei der Fall.
15.01.2015 16:38
Von Daniel Hügli
Thomas Jordan im Video-Interview mit cash.
Bild: cash

Die Reaktionen auf die überraschende Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank sind zum Teil harsch. Ex-Preisüberwacher und ex-Nationalrat Rudolf Strahm geht mit der SNB und deren Präsidenten Thomas Jordan besonders hart ins Gericht. Jordan habe seine Glaubwürdigkeit verloren, "das ist irreversibel", sagte Strahm im cash-Interview.

Solche Kritik an sich und der Nationalbank lässt Thomas Jordan nicht gelten. "Die Glaubwürdigkeit von mir und der Nationalbank wäre dann beschädigt, wenn sie nicht den Mut hätte, dann zu entscheiden, wenn es eben nötig ist", sagt Thomas Jordan im cash-Video-Interview am Donnerstagnachmittag nach der SNB-Pressekonferenz zur Aufhebung der Kursuntergrenze.

Die Finanzmärkte hat die SNB am Donnerstagmorgen um 10:30 Uhr regelrecht auf dem falschen Fuss erwischt. Sie hat nicht nur den Mindestkurs aufgehoben, sondern auch den Negativzins für Guthaben auf ihren Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf -0,75 Prozent gesenkt. Dies, nachdem die SNB auch noch im Januar zweimal betont hatte, wie wichtig und zentral die Verteidigung der Kursuntergrenze sei.

Doch ziemlich sicher musste die SNB auch im neuen Jahr zur Aufrechterhaltung der Kursuntergrenze derart viele Euros aufkaufen, dass sie es nicht mehr verantworten konnte, die eigene Bilanz noch weiter aufzublähen und die Risiken der Schweizerischen Nationalbank somit noch deutlich zu vergrössern. Die SNB muss vor diesem Hintergrund von einem sehr düsteren Szenario für den seit Monaten absackenden Euro ausgehen.

Dem Druck der Märkte nicht nachgegeben

Jordan verneint im cash-Interview, dass die SNB dem Druck der Märkte nachgegeben habe. "Es macht keinen Sinn, die Kursuntergrenze noch über Monate aufrechtzuerhalten, wenn man weiss, dass sie aufgrund der internationalen Entwicklung nicht mehr gerechtfertigt ist", so Jordan. Der Entscheid sei mit dem Wissen gefällt worden, dass kurzfristig Turbulenzen die Folge sein können. Ein Ausstieg aus einer Politik müsse überraschend erfolgen.

Der Mindestkurs sei immer als "temporäre, vorübergehende Massnahme" angekündigt worden. Die Nationalbank habe ihre Überlegungen gemacht, eine Lagebeurteilung vorgenommen, und sie sei zum Schluss gekommen, dass ihre Geldpolitik geändert werden müsse, so Jordan. "Wenn die Nationalbank nicht mehr die Möglichkeit hat, ihre Politik zu ändern, dann würde sie ihre Glaubwürdigkeit verlieren."

Die SNB teilte am Donnerstag auch mit, sie werde die Situation an den Märkten aber eng verfolgen und bei Bedarf erneut aktiv werden, das heisst intervenieren. In anderen Worten: Sie betreibt dann wieder eine ähnliche Geldpolitik wie vor der Einführung der Kursuntergrenze.

Waren denn die dreieinhalb Jahre mit der Kursuntergrenze für "die Katze"? "Überhaupt nicht. Die Untergrenze hat die Schweizer Wirtschaft in einer schwierigen Situation vor dem Kollaps bewahrt. Heute sind wir in einer anderen Situation. Die Wirtschaft ist wieder stabiler, und sie wächst besser", sagt Jordan im cash-Interview.