Datenschützer warnt vor Verknüpfung von Krankenkassenprämien und Fitnesstrackern

Der Datenschutzbeauftragte des Kantons Wallis warnt vor den Angeboten von Krankenkassen, die Trägerinnen und Trägern von Fitnessarmbändern Prämienrabatte gewähren. Diese Kunden lieferten sich den Krankenkassen "nackt" aus, ohne eine echte Gegenleistung zu erhalten, sagte Sébastien Fanti.
18.10.2017 17:14

"Der Versicherte opfert weit mehr, als im bewusst ist", sagte Fanti im am Mittwoch in der Westschweizer Tageszeitung "Le Temps" veröffentlichten Interview. Die Angebote der Kassen, die die Kunden zu mehr Bewegung animieren sollen, seien "trügerisch".

Es zeuge von einer "verblüffenden Naivität" der Kunden, die an den Programmen der Kassen mitmachten und diesen sehr persönliche Daten einfach überlassen würden, sagte der Walliser Datenschützer der Zeitung.

Mit Fitnessarmbändern ist eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung einiger Gesundheitsdaten wie Puls, Schlaf-Wach-Rhythmus oder die Anzahl Schritte möglich.

ENTSOLIDARISIERUNG

Die Bonusprogramme der Kassen sprechen vor allem junge und gesunde Kunden an. Die Angebote gelten für die Zusatzversicherungen, in der Grundversicherungen sind solche Rabatte nicht erlaubt. Fanti befürchtet dennoch, dass solche Angebote der Entsolidarisierung in der Grundversicherung weiteren Vorschub leistet.

"Jene, die an solchen Aktionen der Krankenkassen teilnehmen, sind sich nicht bewusst, dass am Schluss dies alles in einem neuen Bonus-Malus-System in der Grundversicherungen enden wird." Die Prämien würden dann nach den Risiken eines jeden bemessen. "Die ersten Opfer werden die Raucher sein", sagte Fanti.

Das Grundprinzip der Solidarität zwischen Gesunden und Kranken in der Grundversicherung werde in sich zusammenbrechen, prophezeite der Walliser Datenschutzbeauftragte.

RABATTE, GESCHENKE, GUTSCHEINE

Mehrere Krankenkassen bieten in den Zusatzversicherungen inzwischen Apps oder Fitnessarmbänder, auch Wearables genannt, an, mit deren Hilfe die Versicherten Rabatte (Helsana) oder Rückerstattungen (CSS), Gutscheine (Sanitas) oder Preise (Swica) erhalten.

Unterschiedlich ist die Handhabe der Daten durch die Kassen: Die Swica gewährt zwar nach einer Erhebung der Gesundheitsdaten durch eine Drittpartei starke Prämienrabatte, versichert aber auf ihrer Website, sie erhalte weder Daten durch die Befragung noch via die Gesundheitsapp, sondern nur die Anzahl Schritte. Beim CSS-App werden laut dem Merkblatt dazu ebenfalls nur die Anzahl Schritte gespeichert.

Auch Helsana sammelt nach eigenen Angaben gar keine Gesundheitsdaten wie Herz- oder Atemfrequenz, Fettanteil oder Schlafverhalten. Die Vitaldaten würden von Helsana weder gespeichert noch ausgewertet, erklärte die Krankenkasse am Mittwoch.

KRANKENKASSE WEISS ES FRÜHER

Sanitas dagegen erhält nach eigenen Angaben die Gesundheitsdaten der Kunden. Die Kasse teilt auf ihrer Website mit, die Daten seiner "Active App" würden gespeichert und mit den Kundendaten "abgeglichen". "Wir verwenden diese Daten dazu, Sie frühzeitig und präventiv in Gesundheitsfragen beraten zu können und um unser Angebot nach Ihren individuellen Bedürfnissen weiterzuentwickeln", schreibt Sanitas.

Die Kasse kann dank den übermittelten Daten und dem Abgleich mit Arztrechnungen womöglich früher als der Kunde gesundheitliche Probleme erkennen, und zum Beispiel eine Rückenschulung empfehlen.

(AWP)