Deckungsgrade von Schweizer Pensionskassen sinken

Zürich (awp/sda) - Der langjährige Aufwärtstrend bei den Deckungsgraden von Schweizer Pensionskassen ist im vergangenen Jahr gebrochen worden. Die Werte sanken 2015 für den Gesamtmarkt um 1,7 Prozentpunkte auf 104,1%.
13.09.2016 12:30

Damit gab es laut einer Mitteilung der Anlageberatungsfirma Complementa vom Dienstag erstmals seit 2011 eine Trendumkehr bei der wichtigen Kennzahl, denn seither gingen die Deckungsgrade von 96,2% eigentlich nur nach oben.

Allerdings sei der Rückgang im vergangenen Jahr von 1,7 Prozentpunkten nicht mit den Einbrüchen während des Platzens der Dotcom-Blase 2001 sowie der Finanzkrise 2008 zu vergleichen, sagt Jürgen Rothmund, der Leiter der Studie, die Complementa seit 22 Jahren publiziert und deren Stichprobe mittlerweile zirka 400 Pensionskassen mit einem Vorsorgevermögen von rund 530 Mrd CHF umfasst.

KEINE KRISENNIVEAUS

Damals ging es mit den Deckungsgraden von Schweizer Pensionskassen innerhalb kürzester Zeit nämlich um 26,7 Prozentpunkte beziehungsweise 17,4 Prozentpunkte nach unten. Zudem zeigt eine Simulation per August 2016, dass die Werte bereits wieder um 1,1 Prozentpunkte auf 105,2% steigen würden.

Deutlich mehr Deckungsgrad als der Rückgang 2015 dürfte allerdings gemäss den Worten von Rothmund in Zürich vor den Medien die geplante Harmonisierung beim Referenzzinssatz kosten. Ein einheitlicher technischer Zinssatz von 2,25% würde die Deckungsgrade der Schweizer Pensionskassen um 4,8% reduzieren und derzeit zu einer Unterdeckung führen.

VERSTECKTE GEFAHREN

Neben dem gesunkenen Deckungsgraden weist Complementa noch auf ein weiteres Ergebnis ihrer Untersuchung hin. In einer Sonderauswertung haben die Kapitalanlageexperten nämlich das Risikomanagement der Schweizer Pensionskassen unter die Lupe genommen. Ein solcher Fokus liegt angesichts des Niedrigzinsumfeldes und der vermehrten Investition in gefährlichere alternative Anlagevehikel nahe.

So gaben immerhin 51% der befragten Einrichtungen an, dass sie nicht über ein ausreichendes Risikomanagement verfügen. Rund 19% verzichten sogar aufgrund von Zweifeln an der Wirksamkeit auf eine systematische Gefahrenanalyse. Und nur ein Drittel der Teilnehmerkassen habe die Absicht, ihr Risikomanagement weiter aufzubauen.

Die Hauptursache dafür, dass Vorsorgeeinrichtungen das Risikomanagement quasi als "hässliches Entlein" betrachten, dürfte gemäss den Ausführungen der Autoren sein, dass man schon acht Jahre lang keine grössere Krise gesehen hat.

mk

(AWP)