Den Einbruch des Goldpreises als Einstieg nutzen?

Folgt auf den Gold-Crash der letzten Tage ein Rebound? Das Umfeld dafür ist eigentlich ideal. cash zeigt, welche Möglichkeiten Anleger offen stehen.
16.04.2013 06:13
Von Frédéric Papp
Der drastische Rückgang des Goldpreises bietet Einstiegschancen.

Eine derart massive Korrektur des Goldpreises haben die Märkte seit dreissig Jahren nicht mehr erlebt. In nur zwei Tagen sackten die Notierungen über 14 Prozent ab und rutschte unter 1350 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit Februar 2011. Angeschoben haben die Verkaufswelle unerwartet schlechte Einzelhandelsdaten aus den USA Ende letzter Woche. Am Montag folgten enttäuschende China-Daten und Spekulationen auf eine vorzeitige Straffung der US-Geldpolitik, was zusätzlich Druck auf Gold ausübte.

Dabei könnte das Umfeld für Goldinvestments nicht besser sein. Die Euro-Schuldenkrise ist mit der unberechenbaren Politsituation in Italien und mit Frankreich, das immer stärker in die Rezession abzudriften droht, alles andere als ausgestanden. Und im Falle Zyperns wurde aufgezeigt, was Sparern droht, wenn Banken in Schieflage geraten - nämlich eine Zwangsenteignung. Weiter sprechen die offenen Geldschleusen der Notenbanken für das gelbe Edelmetall. Neben den USA, die monatlich 85 Milliarden Dollar in die Märkte pumpen, hat Japan vergangene Woche angekündigt, die Notenpressen so lange laufen zu lassen, bis eine Inflationsrate von zwei Prozent erreicht ist.

Da Gold im Gegensatz zu Währungen nicht unlimitiert aufgebläht werden kann, sollte das Edelmetall bald wieder höher notieren, sagen Marktbeobachter. Thorsten Polleit, Chefökonom bei Degussa Goldhandel, macht zudem ein weiteres Kaufsignal für Gold aus. "Wenn Zentralbanken, wie im Falle Zyperns, aus politischen und finanziellen Gründen gezwungen seien, ihr Gold zu verkaufen, sei dies ein Alarmsignal für das Papiergeld und zugleich ein Kaufargument für Gold", schreibt Polleit in einem Marktkommentar.

Diverse Anlagemöglichkeiten für Risikobewusste

Risikotoleranten Anlegern, die an ein baldiges Revival des Goldpreises glauben, stehen diverse Anlagemöglichkeiten offen. Edelmetalle sollte man möglichst physisch halten. Besonders beliebt bei den Anlegern sind ETF auf Gold, die mit physischem Edelmetall abgesichert und somit keinen Gegenparteienrisiken ausgesetzt sind.

Solche ETF bieten unter anderem die Zürcher Kantonalbank (ZKB), die Bank Julius Bär, Credit Suisse, Raiffeisen und UBS an (siehe Tabelle). Der ZKB Gold ETF ist der Pionier bei diesen Anlageprodukten. Per Ende März 2013 bunkerte die ZKB Gold im Umfang von rund 224 Tonnen.

Zu beachten ist aber: Goldinvestments beinhalten ein Währungsrisiko, weil Gold in Dollar gehandelt wird. Ein fallender Dollar frisst den Anlegern einen Teil der erzielten Rendite wieder weg. Die Fondsindustrie hat deshalb ETF auf den Markt gebracht, die gegen Währungsrisiken abgesichert sind. Indexfonds, die nicht auf Dollar lauten, beinhalten somit eine Währungsabsicherung gegenüber dem Dollar.

Wer mehr Risiko zu nehmen bereit ist, kann auch mit Derivaten auf einen Rebound des Goldpreises spekulieren. Nebst Call-Optionen bieten sich als Alternative auch Mini-Futures oder Faktor-Zertifikate an. Letztere schliessen im Gegensatz zu Warrants Volatilitäts- und Zeitwertrisiken aus. Das Goldthema kann auch indirekt via Goldaktien gespielt werden. Für ein Investment in Goldaktien spricht die rekordtiefe Bewertung der Aktien. Allerdings rechnen Anlageprofis nicht mit einer baldigen Belebung des Sektors (zum Artikel).

Gold ist angezählt

Lauter werden derzeit vor allem jene Stimmen, die weiter sinkende Goldpreise prognostizieren. Die Alarmglocken, dass es mit dem Gold bald abwärts gehen könnte, schrillten bei Starinvestor George Soros bereits Ende 2011, als er die Goldpreisentwicklung als "ultimative Blase" bezeichnet hatte. Die Investoren-Legende trennte sich von mehr als der Hälfte seiner Anteile am SPDR Gold Trust, dem weltweit grössten börsennotierten Goldfonds. Die Bestände sämtlicher börsengehandelter Goldfonds fielen Ende vergangener Woche auf den tiefsten Stand seit 15 Monaten. Allein bei den Exchange Traded Funds (ETF) flossen seit Jahresbeginn 200 Tonnen Gold ab.

Damit werden die Befürchtungen der Investoren immer wahrscheinlicher, dass das Gold im aktuellen Jahr erstmals seit 12 Jahren mit einer negativen Performance abschliessen könnte. Zur Illustration: Im 2001 notierte der Goldpreis um 260 Dollar. In den Folgejahren stieg er sukzessive auf den Rekordstand von 1920 Dollar im September 2011. Seither tendiert Gold unter teils sehr heftigen Kurssprüngen südwärts.

Die Analystengemeinde warnte im Vorfeld vor sinkenden Goldnotierungen. Diese dürfte sich aber angesichts des dramatischen Absturzes die Augen reiben. Mit weiteren Kursanpassungen in den kommenden Tagen ist zu rechnen.

Kürzlich veranschlagte die US-Investmentbank Goldman Sachs den Unzenpreis bei 1450 Dollar per Ende Jahr. Dies scheint immer noch zu optimistisch, wie der jüngste Absturz zeigt. Realistischer sind die 1270 Dollar, die Goldman Sachs aber erst per Ende 2014 erwartet. Den Daumen gesenkt für das gelbe Edelmetall haben auch die Deutsche Bank, JP Morgan und Société Générale.

 

Ausgewählte Gold-ETF

Fonds Währung Valor Performance seit 1.1.13 in % Performance 3 Jahre kumuliert in %
CS ETF II (CH) on Gold USD 10413623 -8,1 12,2
Raiffeisen Solid Gold Ounces A CHF CHF 13403484 -7,7 -
db Physical Gold ETC USD 11426331 -8,5 -
JB Physical Gold Fund CHF A CHF 4478123 -9,7 22
ZKB Gold ETF (CHF) Acc CHF 13910159 -8,1 11,5

Quelle: cash.ch, 15. April 2013

 

Ausgewählte Call-Optionen und Faktor-Zertifikate

Symbol Ausübungspreis Laufzeit Hebel Preis
XAAHO 1500 20.12.2013 2,9 0,59
XAUJD 1575 06.12.2013 2,6 0,30
XAKKB 1400 21.06.2013 4,5 0,46
CBLGC4 (Zertifikat) - open End 4 5,37

Quelle: cash.ch/payoff.ch, 15. April 2013, 17:40 Uhr