In den Kantonen Neuenburg und Zürich droht Poststellen das Aus

(Ausführliche Fassung) - Im Kanton Zürich droht 26 Poststellen die Schliessung, im Kanton Neuenburg 14. Gleichzeitig hat die Post 104 Filialen in Zürich und 25 in Neuenburg den Weiterbetrieb bis 2020 garantiert. Während die Gewerkschaft Syndicom die Pläne der Post kritisiert, verlangt der Nationalrat mehr Leistungen von den Post-Agenturen.
30.05.2017 14:25

Die im Oktober 2016 präsentierte Umstrukturierung des Postnetzes schreitet zügig voran. Nun hat die Schweizerische Post am Dienstag auch ihre Pläne für die Kantone Zürich und Neuenburg bekannt gegeben.

Die Post will im Kanton Zürich 26 Filialen überprüfen, im Kanton Neuenburg sind es 14. "Überprüfen heisst, es braucht eine neue Lösung", sagte Thomas Baur, Leiter Poststellen und Verkauf, am Dienstag in Zürich vor den Medien.

"Wir werden mit den Gemeinden Kontakt aufnehmen und schauen, wie diese zukünftige Lösung aussieht", sagte Baur. Ersatzlose Schliessungen schloss er aus. Die Post favorisiert Umwandlungen in Post-Agenturen. So lange diese nicht abgeschlossen sind, bleiben die Filialen geöffnet.

NEUE POST-AGENTUREN IM KANTON ZÜRICH

Genau solche Post-Agenturen liegen auch in Zürich hoch im Kurs. Denn neben den zu überprüfenden Filialen ist die Post bei zwölf Zürcher Poststellen bereits einen Schritt weiter: Sie sollen zukünftig fix als Post-Agenturen betrieben werden.

Während es bei zwei davon bereits ein Eröffnungsdatum gibt, läuft bei den anderen die Planung. Insgesamt verfügt der Kanton Zürich gemäss Baur heute über 88 Post-Agenturen, die sich bewährt hätten.

Ausserdem sollen im Kanton Zürich 50 neue Zugangsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Post setzt dabei auf einen physischen und digitalen Mix, der auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dazu gehören beispielsweise Zugangspunkte für Geschäftskunden, Aufgabe-/Abholstellen oder My Post 24-Automaten.

"Wir wollen unser Angebot ausbauen und noch näher an den Kunden heranrücken", sagte Baur. Dabei wolle man nicht in Beton und veraltete Infrastrukturen investieren, sondern in Dienstleistungen.

ANLIEGEN DER KANTONE AUFGENOMMEN

Die Post hat in den Gesprächen mit den Kantonen verschiedene Anliegen zur Grundversorgung aufgenommen. Diese führten zu Neuerungen, die per 1. September umgesetzt werden sollen.

Unter anderem können neu Privatpersonen in Orten, die ausschliesslich eine Post-Agentur haben, Bareinzahlungen an der Haustür machen. Auch will die Post beispielsweise KMU oder Gemeinden Lösungen für die Aufgabe von Massensendungen bieten.

SYNDICOM KRITISIERT "POSTSTELLEN-KAHLSCHLAG"

Die Gewerkschaft Syndicom reagierte empört auf die Mitteilung der Post. Es werde Profitoptimierung auf Kosten des Service public und der Bevölkerung betrieben, schrieb sie in einer Mitteilung. Wie die Post dabei Kündigungen verhindern wolle, bleibe schleierhaft.

Denn bei der Netzentwicklung will die Post Entlassungen vermeiden und für die betroffenen Mitarbeiter passende Lösungen suchen, wie sie mitteilte. Bei den 26 Zürcher Filialen geht es laut Baur um rund 100 Vollzeitstellen.

Im Kanton Neuenburg ist gemäss Syndicom jede dritte Poststelle von der Schliessung oder Umwandlung bedroht. Damit stünden bis zu 42 Arbeitsstellen auf dem Spiel, teilte die Gewerkschaft mit.

NATIONALRAT VERLANGT MEHR LEISTUNGEN

Im Nationalrat regt sich derweil Unmut über den Abbau des Poststellennetzes. Die grosse Kammer hat am Dienstag fünf Motionen zur Post angenommen - drei von der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF) und zwei von der Walliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd.

Eine davon verlangt, dass die Kriterien für die Erreichbarkeit künftig auf regionaler Ebene festgelegt werden. Heute müssen im landesweiten Durchschnitt 90 Prozent der Bevölkerung Post-Dienstleistungen innerhalb von 20 Minuten zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr erreichen können.

Sie verlangt auch, dass Dienstleistungen des Zahlungsverkehrs ebenso gut erreichbar sein müssen wie Postdienstleistungen. Heute gilt dafür ein Limit von 30 Minuten. Deshalb sollen Postagenturen künftig alle Post-Dienstleistungen anbieten müssen - inklusive Annahme von Bareinzahlungen oder Massensendungen.

Eine weitere Motion will im liberalisierten Teil des Marktes bessere Bedingungen für die Post-Konkurrenz schaffen. Unter anderem sollen Koppelungs-Rabatte zwischen liberalisiertem und Monopolmarkt verboten werden. Ausserdem sollen andere Anbieter Zugang zu den Postfächer erhalten. Die letzte Motion verlangt mehr Transparenz bei der Einhaltung von Grundversorgungsbestimmung.

POST WILL BIS ZU 600 POSTSTELLEN SCHLIESSEN

Die Post hatte im vergangenen Herbst angekündigt, das Schweizer Poststellennetz zu überprüfen. Von den heute 1400 Poststellen sollen bis in vier Jahren nur noch 800 bis 900 übrigbleiben. Als Grund dafür nannte sie die veränderten Bedürfnisse der Kunden. Seither wurden bereits in verschiedenen Kantonen zahlreiche Schliessungen bekannt.

cf/

(AWP)