Der Banken-Stresstest und seine Folgen

In wenigen Tagen veröffentlicht die europäische Bankenaufsicht die Ergebnisse ihres jüngsten Stresstests. 51 Banken werden geprüft.
24.07.2016 18:55
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Bild: cash

Die EU-Bankenbehörde EBA veröffentlicht am 29. Juli die Ergebnisse des Fitness-Checks für die europäische Finanzbranche. Angesichts der Verwerfungen vor allem bei italienischen Banken schauen die Finanzmärkte gebannt darauf. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wer wird getestet?

51 Banken aus 14 EU-Ländern und aus Norwegen nehmen an dem Stresstest teil. Sie stehen für rund 70 Prozent der Bilanzsumme aller Banken in der Europäischen Union. Vor zwei Jahren hatte allein die Europäische Zentralbank (EZB) 130 Institute aus der Euro-Zone unter die Lupe genommen, dazu kamen die grössten Banken aus Nicht-Euro-Ländern.

Aus Deutschland waren damals 24 Häuser betroffen, diesmal sind es nur neun: die Deutsche Bank und die Commerzbank, die Landesbanken BayernLB, LBBW, Helaba und NordLB, die DekaBank, die nordrhein-westfälische Förderbank NRW-Bank und der Autofinanzierer Volkswagen Financial Services. Aus keinem anderen Land nehmen mehr Banken teil. Die DZ Bank, die wegen ihrer Grösse mitmachen müsste, ist wegen der Fusion mit der WGZ erst im nächsten Jahr an der Reihe. Aus Österreich sind die Erste Group und die Raiffeisen-Landesbanken-Holding dabei.

Was wird getestet?

Die Banken müssen unter Beweis stellen, dass sie eine neue Finanzkrise oder eine Wirtschaftskrise überstehen würden, ohne dass sie zu viel von ihrem Kapitalpolster verlieren. Dazu wird in dem Stresstest eine schwere, drei Jahre anhaltende Rezession simuliert, die ähnlich stark ausfällt wie während der Finanzkrise von 2008 bis 2010. Die Börsenkurse stürzen ab, der Euro und die Immobilienpreise in der EU brechen ein, die Zinsen in den USA und anderswo ausserhalb der EU steigen plötzlich an.

Entworfen hat das Szenario der Europäische Systemrisikorat unter dem Vorsitz von EZB-Präsident Mario Draghi. Die Folgen einer langanhaltenden Niedrigzinsphase kommen darin nicht vor, obwohl er die schmalen Gewinne von Banken und Versicherern für eines der grössten Risiken für das Finanzsystem in der EU hält - neben illiquiden Märkten, steigenden Refinanzierungskosten sowie der Konkurrenz durch Schattenbanken. Kritik von Banken gibt es auch daran, dass sie im Stress-Szenario erneut so tun müssen, als würden sie in einer Krise alle auslaufenden Kredite zu konstanten Konditionen verlängern.

Erstmals getestet wird das Risiko, das sich aus dem Fehlverhalten von Bankern ergibt. Manipulationen und Verstösse gegen die Vorschriften hatten viele Häuser nach der Finanzkrise Milliarden Euro Geldstrafen gekostet, allen voran die Deutsche Bank. Ein besonderes Augenmerk haben EBA und EZB diesmal auch auf die Fremdwährungskredite, die vor allem Banken in Osteuropa massenhaft vergeben hatten.

Was sind die Konsequenzen?

Zum ersten Mal gibt es keine einheitliche Schwelle, die darüber entscheidet, ob eine Bank den Stresstest bestanden hat oder nicht. Die Ergebnisse sollen - so der Plan - vielmehr den Bankenaufsehern dabei helfen, die Kapitalquoten festzulegen, die sie künftig von den einzelnen Banken fordern. Diese können sich je nach Geschäftsmodell und Risiken in den Bilanzen deutlich unterscheiden.

Ist die Kapitaldecke zu kurz, können die EZB und die nationalen Aufseher dann etwa Dividenden verbieten oder Boni kürzen. Unmittelbarer Handlungsbedarf bestünde nur, wenn sich zeigt, dass eine Bank schon im "Basis-Szenario" - also ohne Stress - ins Wanken käme.

Ist der Stresstest wichtig?

Über Monate wurde der Stresstest weniger stark beachtet als in den vergangenen Jahren. Doch die Diskussion um die Stabilität italienischer Banken und die Folgen des Brexit haben ihn zuletzt stärker in den Fokus gerückt. Politiker erwarten sich von dem Stresstest Erkenntnisse, wie schlimm es wirklich steht um die Geldhäuser in Italien - und eine Rechtfertigung, notfalls einzugreifen. Fünf italienische Banken wurden getestet, darunter das grosse Sorgenkind Monte dei Paschi.

Im Hintergrund wird schon seit Wochen an Lösungen gearbeitet, wie man sie von einem Berg fauler Kredite entlasten kann. Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny sagte der Nachrichtenagentur APA am Freitag, er wolle die Lage der Geldhäuser "nicht überdramatisieren". Das sei "ein lösbares Problem, etwa mit dem bewährten Modell einer Bad Bank".

(Reuters)