«Der Euro hätte heute keine Chance mehr»

In einer Strategiestudie lässt eine französische Bank kaum ein gutes Haar am Euro. Sie erklärt, weshalb der Euro im heutigen Umfeld wohl kaum eingeführt würde.
30.12.2013 08:47
Von Lorenz Burkhalter
Die Grundvoraussetzungen für einen funktionierenden Euro sind nach einer Studie nicht gegeben.
Die Grundvoraussetzungen für einen funktionierenden Euro sind nach einer Studie nicht gegeben.
Bild: Bloomberg

Die Strategen von Natixis sind bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. In einer aktuellen Studie schiessen sich die Franzosen auf den Euro ein. Ihr Fazit: Bei führenden europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Italien hätte die Einheitswährung heutzutage wohl keine Chance mehr.

Nun sei der Euro aber eingeführt und die Einheitswährung nicht mehr rückgängig zu machen, so die Strategen weiter.

Grundvoraussetzungen nicht gegeben

Damit eine Einheitswährung funktionieren könne, bedürfe es einer hohen Mobilität von Kapital und Arbeitskräften. Gleichzeitig sei eine ähnliche branchenseitige Ausrichtung der Teilnehmerländer eine Grundvoraussetzung, um asymmetrische Schockwellen zu verhindern.

Darüber hinaus brauche es ähnliche wirtschaftspolitische Ziele sowie die Möglichkeit, Wettbewerbsunterschiede über ein internes Abwertungssystem ausgleichen zu können.

Diese Grundvoraussetzungen seien schlichtweg nicht gegeben. Die Strategen von Natixis glauben deshalb, dass sich gerade die grossen europäischen Teilnehmerländer heutzutage gegen den Euro entscheiden würden.

War der Euro von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Die Schuldenkrise habe eindrücklich gezeigt, dass die Kapitalmobilität zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt abnehme und sich in einer Ausweitung der Zinsdifferenz zwischen einzelnen Ländern entlade. Auch die Mobilität von Arbeitskräften sei geringer als erhofft, obschon sie zuletzt gerade in den südeuropäischen Ländern zugenommen habe.

Für Probleme sorge allerdings vor allem die unterschiedliche Spezialisierung der einzelnen Teilnehmerländer. Das gelte insbesondere für den sehr unterschiedlichen Beitrag der herstellenden Industrie zum Bruttoinlandprodukt sowie für die Import- und Exporttätigkeit.

Diese beiden Faktoren hätten Auswirkungen auf die Beschäftigungslage, das Lohnniveau und letztlich auf die jeweilige Wirtschaftspolitik.

Und auch wenn es die Verfasser der Strategiestudie nicht wortwörtlich schreiben, so lassen sie doch durchblicken, dass der Euro von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.