«Der Franken wird 2014 schwächeln»

Die Ausgangslage, um Fremdwährungen gegen den Franken zu kaufen, ist günstig, sagt Bruno Knechtle. Der Handelschef bei der Coutts Privatbank in Zürich nennt zudem seine Währungsfavoriten.
24.12.2013 06:46
Von Frédéric Papp
Bruno Knechtle, Handelschef bei Coutts Privatbank Zürich, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Im laufenden Jahr büsste der Franken nur gegen den Euro und die dänische Krone geringfügig an Wert ein. Das Minus beträgt je rund 1,5 Prozent. Gegenüber allen anderen acht Hauptwährungen hingegen blieb er stabil oder wertete deutlich auf.

Der Aussie-Dollar zum Beispiel kostet rund 19 Prozent weniger als noch zu Jahresbeginn, und der Yen sackte sogar fast 23 Prozent ab. Für einen Dollar müssen Schweizer aktuell gut 2 Prozent mehr bezahlen als noch im Januar. Doch dies dürfte sich in den kommenden Monaten bald ändern. "Wir sind auf guten Levels, um Fremdwährungen gegen Franken zu kaufen", sagt Bruno Knechtle, Handelschef bei der Privatbank Coutts, im Gespräch mit cash.

Dollar und Euro «long» gehen

Positiv gestimmt ist Knechtle für den US-Dollar. Damit reiht er sich in den Experten-Mainstream ein. "Ich erwarte eine graduelle Aufwertung des Dollars zum Franken", sagt er im cash-Video-Interview. Seiner Prognose zufolge wird sich der "Greenback" im kommenden Jahr quartalsweise um je 2 Rappen verteuern. Im vierten Quartal 2014 rechnet er mit einem Wechselkurs von 99 Rappen pro Dollar – im Vergleich zum aktuellen Stand eine Verteuerung um 10 Prozent.

Auch gegenüber der Gemeinschaftswährung ist Knechtle, der seit 2011 für Coutts tätig ist, zuversichtlich. Im ersten Halbjahr werde sich der Euro in etwa auf den heutigen Niveaus halten können. Im zweiten Halbjahr hingegen "wird der Euro in Richtung 1,26 Franken gehen", sagt Knechtle. Er hält die jüngst von der Credit Suisse lancierte Debatte über die Kaufkraftparität zwischen Euro und Franken für überbewertet.

So bezeichnete die Grossbank kürzlich in einer Analyse den Franken gegenüber dem Euro für nicht mehr überbewertet. Dabei bezieht sie sich auf die historisch enge Zinsdifferenz beider Währungsräume. Dies begrenze das Aufwärtspotenzial der Gemeinschaftswährung, so die Studie weiter (zum Artikel).

Für risikotolerante Anleger, die "etwas mit Juice" im Depot haben wollen, empfiehlt Knechtle die indische Rupie. Im laufenden Jahr ist die Währung arg unter die Räder gekommen – das Minus zum Franken beträgt 13 Prozent. Doch Knechtle ist überzeugt: "Die indische Rupie bietet in den kommenden Monaten Aufwärtspotenzial." Die Inflation in Indien habe vermutlich den Höchststand erreicht, und nach den Wahlen im Mai 2014 könnte das Wachstum durch Reformen geprägt werden, sagt Knechtle. 

Währungsrisiken absichern

Die Währungsallokation in einem Portfolio steuert Coutts nicht durch das Halten von Barbeständen in Fremdwährungen, sondern vorwiegend über den Kauf von diversen Assetklassen wie zum Beispiel Bonds oder Aktien, die in Fremdwährungen gehandelt werden. "Man braucht eine Zielallokation für Währungen", sagt Knechtle.

Für das kommende Jahr wird eine aktive Bewirtschaftung des Währungsrisikos wichtiger. Denn laut dem Ausblick von Coutts, den die Privatbank letzten Donnerstag präsentierte, werden die Börsen im 2014 nur ein Wachstum im einstelligen Prozentbereich erzielen. Zudem stünden den Finanzmärkten volatile Monate bevor. Da sind Gewinne auf Währungen ein willkommener Zustupf – doch es kann auch in die andere Richtung gehen.

Dies zeigt sich deutlich in Japan. Zwar stieg der Nikkei-Index im laufenden Jahr um 52 Prozent. Gleichzeitig sackte der Yen gegenüber den Franken aber um fast 20 Prozent ab. Auch die norwegische Krone verlor gegen 16 Prozent an Wert. Somit lohnt es sich für Anleger, das Währungsrisiko abzusichern.

Währungsgewinne mitnehmen

Doch auch Währungsgewinne können mitgenommen werden. Sollte die US-Notenbank Fed die Anleihenkäufe aufgrund über Erwarten besserer Arbeitsmarktdaten um 20 anstatt 10 Milliarden Dollar drosseln, "dann verteuert sich der Dollar schnell um zwei bis drei Rappen", sagt Knechtle.

In diesem Fall würden laut dem Devisenprofi viele Anleger die Position verkaufen, um die Währungsgewinne zu realisieren. Doch es gibt eine Alternative: Anstatt die Anlage in Fremdwährung zu verkaufen, empfiehlt Knechtle die Währungsgewinne kurzfristig mitzunehmen, zum Beispiel mit einem Devisentermingeschäft oder einen Devisenwarrant.

 

Im Video-Interview sagt Knechtle wie viel Fremdwährungen ein Schweizer Anleger in einem Portfolio idealerweise halten sollte. Weiter sagt er, welche Währungen noch Aufwärtspotenzial haben.