Kolumne

Deutsch light: Was du wolle? Du sage!

Die Schweizer Behörden wollen eine Sprache speziell für Secondos und Migranten einführen. Dabei sollten die Bürokraten besser ihre grotesk verschwurbelte Sprache runterfahren.
23.01.2017 12:44
Hermann Strittmatter, VR-Präsident GGK Zürich
Deutsch light: Was du wolle? Du sage!

Jetzt werden auch Schweizer Behörden eine "leichte Sprache" einführen, um Secondos, Migranten und Behinderte "besser zu erreichen", wie man in der "NZZamSonntag" lesen musste. Simples Deutsch breite sich nun aus. Unter anderem würden fortan komplizierte Schachtelsätze vermieden, werde der Genitiv konsequent durch den Dativ ersetzt, um amtliche Texte besser verständlich zu machen.

Die guten Leute vergessen völlig, dass zumeist nicht die Formulierung, sondern der Inhalt und die Bedeutung solcher Texte unverständlich sind.

Das ganze Projekt wäre eh schon völlig unnötig, und es könnten hunderte von Beamtenstellen für effizientere Aufgaben disponiert werden, wenn vorerst mal die grotesk verschwurbelte Bürokraten-Sprache endlich runtergefahren würde.

Solange aber in diesem Zusammenhang von "Förderberichten und Protokollen schulischer Standardgespräche eingeschränkter(sic) Personen" gesprochen wird, solange amtlich weiterhin von "Elterngesprächen" statt von Gesprächen mit Eltern, von "Behindertenkosten" statt von Kosten für die Behinderten, von "Behindertengleichstellungsgesetz" statt von Gesetz für die Gleichstellung von Behinderten die Rede ist, wird die ganze Sache kaum "zielführend", sondern eher "grenzwertig" "implementiert" wie es heute in der Blähsprache der Mega-Apparatschiks in Staat, Politik und Wirtschaft heisst.

Logisch, verwenden die Verfasser behördlicher Regelungen und Informationen unverständliche Wörter, wenn sie untereinander oder gar zu Journalisten so reden. Der Verdacht besteht ja, dass sie  damit Sachkenntnis vortäuschen, weil sie vielleicht den Willen ihrer politischen Vorgesetzen gar nicht verstanden haben, oder weil diese selber, in welcher Beziehung auch immer, überfordert sind.

Kommt hinzu, dass mit dem aktuellen digitalen, kriminellen und kriminalisierenden Twitter- und Facebook-Verblödungs-Tsunami die Sprache verludert. Und damit auch der Geist verkommt. Denn, wer nicht sauber denken kann, kann auch nicht richtig schreiben. 

Da nützt es also nichts, den Genitiv konsequent mit dem Dativ zu ersetzen. Es kostet nur Steuergelder.

Du versteh? 

Hermann Strittmatter

Hermann Strittmatter ist aktiver VR-Präsident der von ihm gegründeten Werbeagentur GGK in Zürich. Betriebswirtschafter, Swissair-Werber, Weinbauer, Gastrokritiker und Kommunikationsberater für Wirtschaft und Politik. Schreiben Sie Ihre Meinung Hermann Strittmatter direkt stritti2@bluewin.ch oder an die Redaktion.