Deutsche Bank sieht sich für Brexit-Folgen gerüstet

(Ausführliche Fassung)
24.06.2016 10:10

FRANKFURT (awp international) - Die Deutsche Bank sieht sich für mögliche Turbulenzen infolge des britischen EU-Austritts gut gerüstet. "Das ist kein guter Tag für Europa. Die Konsequenzen lassen sich noch nicht vollständig absehen. Sie werden aber für alle Seiten negativ sein", erklärte Konzernchef John Cryan am Freitag. "Sicherlich sind wir als Bank mit Sitz in Deutschland und einem starken Geschäft in Grossbritannien gut darauf vorbereitet, die Folgen des Austritts zu mildern."

Es gebe jedoch keine Zweifel, dass die Unsicherheit nach dem Referendum eine Herausforderung sei. Der Konzern sei enttäuscht vom Ergebnis. "Die Deutsche Bank hat stets die europäische Integration unterstützt, das haben wir immer wieder betont", erklärte der Manager. "Wir betrachten Europa als unseren Heimatmarkt - einen Heimatmarkt, der mit Grossbritannien stärker ist als ohne." Der Aktienkurs der Deutschen Bank brach in der ersten Handelsstunde um rund 15 Prozent ein.

Cryan, der selbst Brite ist, betonte, es schmerze ihn, dass Europa für viele seiner Landsleute "offenbar an Attraktivität verloren" habe. "Das ist ein klares Signal an die Europäische Union, wieder näher an die Menschen zu rücken und die Demokratie zu stärken", mahnte der Deutsche-Bank-Chef.

Derzeit gehe die Bank nicht davon aus, kurzfristig ihre Struktur und das Geschäftsmodell in Grossbritannien wesentlich ändern zu müssen, sagte Cryan. Entscheidend sei nun, wie Grossbritannien und die EU ihre künftigen Beziehungen regeln. Das Spektrum der möglichen Szenarien sei dabei gross. Die Bank werde unabhängig vom Ergebnis der Verhandlungen dort sein, wo ihre Kunden seien.

"Ebenso wie andere Finanzunternehmen werden wir die Verhandlungen Grossbritanniens mit der EU genau verfolgen", sagte Cryan. "Sollte ein Umbau nötig sein, werden wir dafür sorgen, dass die Auswirkungen auf unsere Kunden und Mitarbeiter so gering wie möglich bleiben." Die Deutsche Bank ist seit 1873 in Grossbritannien vertreten und hat dort derzeit gut 8000 Mitarbeiter. Ein Grossteil des Investmentbankings wird aus dem grossen Handelsraum in London geführt./enl/ben/stw/fbr

(AWP)