Deutsche Banken geben EZB Mitschuld an Problemen

Der deutsche Privatbankenverband BdB hat der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Mitschuld an den aktuellen Problemen bei der Commerzbank und der Deutschen Bank gegeben.
28.09.2016 08:29
Gebäude der Commerzbank in Frankfurt.
Gebäude der Commerzbank in Frankfurt.
Bild: cash

Die Niedrigzinspolitik sei zwar nicht der einzige Grund für die Turbulenzen. Dennoch bereite sie den Banken grosse Schwierigkeiten, insbesondere denen mit klassischem Geschäftsmodell, sagte der Hauptgeschäftsführer des BdB, Michael Kemmer, am Mittwoch im Deutschlandfunk. Das treffe deutsche Banken, für die der Zinsüberschuss die zentrale Ertragsquelle sei. "Es wäre absolut richtig, wenn man die Nullzinspolitik langsam beenden würde", sagte er. Das allerdings sehe er derzeit nicht.

EZB-Präsident Mario Draghi stellt sich am Mittwoch im Europaausschuss des Bundestages den Fragen der Abgeordneten. Kemmer kritisierte, die EZB sei von der Politik wegen mangelnder Reformen ein Stück weit alleine gelassen worden. Im Übrigen sei die Notenbank nach seiner Auffassung womöglich nicht unabhängig genug und zu stark einem Druck aus der Politik ausgeliefert.

Bestandsgefahren sieht Kemmer für die deutschen Grossbanken nicht. Die Institute ständen aber unter Ertragsdruck und müssten ihr Geschäftsmodell ändern. "Die beiden Häuser sind in einem Umbauprozess", erläuterte er mit Blick auf Commerzbank und Deutsche Bank. Dieser Umbauprozess brauche Zeit und sei schwierig.

Bei der Commerzbank gebe es mit Berichten über Abbaupläne für gut 9000 Stellen bislang nur Spekulationen, sagte Kemmer. Er gehe aber davon aus, "dass da sicherlich etwas dran ist". Generell kämen bei den beiden grössten Banken vielfältige Probleme zusammen. Die Kurseinbrüche bei den Aktien der Unternehmen zeigten dabei an, dass die Märkte Zweifel an deren ertragreicher Zukunft hätten.

(Reuters)