Deutsche Börse fordert Übergangsfristen nach Brexit

Die Deutsche Börse warnt bei einer harten Trennung zwischen Grossbritannien und der EU vor Turbulenzen an den Finanzmärkten. "So lange es keine Entscheidung über die künftigen Beziehungen gibt, wären Übergangsfristen hilfreich und notwendig", sagte Alexandra Hachmeister, die Regulierungschefin von Deutschlands grösstem Börsenbetreiber, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.
28.03.2017 15:25

"Das wäre gerade bei einem harten Brexit wichtig, um Verwerfungen an den Finanzmärkten zu verhindern." Im deutschen Finanzministerium gibt es einem Medienbericht zufolge ähnliche Überlegungen.

Sollten sich die EU und Grossbritannien nicht rechtzeitig auf einen Austrittsvertrag einigen, könne "die Finanzmarktstabilität gefährdet werden", zitiert das "Handelsblatt" aus einem internen Papier des Ministeriums. Auch deutsche Unternehmen könnten leiden, wenn britischen Banken in der EU ab März 2019 keine Dienstleistungen mehr anbieten könnten.

Die britische Premierministerin Theresa May will den Austrittsantrag ihres Landes am Mittwoch in Brüssel einreichen. Parallel wird EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager aller Voraussicht nach die geplante Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) untersagen, wie die Nachrichtenagentur Reuters bereits vergangene Woche berichtet hatte.

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hat die Fusion als eine Brücke angepriesen, die nach dem Brexit eine Zusammenarbeit zwischen Grossbritannien und der EU sicherstellen soll. Nun muss der Konzern versuchen, diese Verbindung ohne die LSE aufrechtzuerhalten.

Grossbritannien wie andere Drittstaaten

"London wird auch in Zukunft ein weltweit führendes Finanzzentrum bleiben - über alle Finanzprodukte hinweg", sagt Regulierungs-Expertin Hachmeister. An der Derivatebörse Eurex, der wichtigsten Sparte des Unternehmens, kamen 2015 über 50 Prozent des Volumens von Handelsteilnehmern, die im Vereinigten Königreich niedergelassen sind. Oft handelte es sich dabei um Niederlassungen von US-Instituten.

"Nach dem Brexit gibt es für Banken, die von London aus handeln, zwei Optionen", sagt Hachmeister. "Entweder sie eröffnen eine Niederlassung in einem anderen EU-Land und schliessen sich von dort an unsere Systeme an."

Alternativ könnten sie weiter von London aus handeln, wenn die EU-Kommission die britischen Regeln als gleichwertig anerkennt. "Damit würde Grossbritannien wie die USA und andere Drittstaaten behandelt. Dann müsste die Deutsche Börse mit den Behörden darüber verhandeln, wie sie Kunden in Grossbritannien einen direkten Marktzugang gewähren kann, wie das heute beispielsweise schon in den USA der Fall ist."

(AWP)