Deutsche Börse lockt Banken mit Gewinnbeteiligung im EU-Clearinggeschäft

Die Deutsche Börse will Kunden angesichts des bevorstehenden Brexit mit einer Gewinnbeteiligung für das eigene Clearinggeschäft ködern. Bei der Derivate-Tochter Eurex können die grössten Kunden in der Abwicklung von Zinsswaps künftig auf eine Gewinnbeteiligung hoffen, wie der Dax-Konzern am Montag mitteilte. Damit buhlt der Finanzkonzern nach der endgültig geplatzten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) darum, dass Geldinstitute bestimmte Finanzgeschäfte in der EU künftig bei der Eurex abwickeln. Die Londoner LSE ist Marktführer in dem billionenschweren Geschäft in Europa, nach Planungen der Europäischen Union sollen bestimmte Finanzgeschäfte aber nach dem Brexit an einem Finanzplatz innerhalb der EU abgewickelt werden.
09.10.2017 12:31

Die zehn aktivsten Teilnehmer des neuen Programms erhielten einen dauerhaften Anspruch auf einen bedeutenden Anteil am wirtschaftlichen Erfolg des Angebots, hiess es vom deutschen Börsenbetreiber. "Diese marktorientierte Initiative nutzt den Kunden und stärkt den gesamten Finanzmarkt, da sie Wahlmöglichkeiten und Wettbewerb fördert, Preistransparenz erhöht und Konzentrationsrisiken reduziert", sagte Eurex-Clearing-Chef Eric Müller. Einige grosse Banken hätten bereits Interesse an der Teilnahme angemeldet.

Der Wettbewerb im Clearinggeschäft insgesamt war eine der zentralen Bedenken der Kartellwächter in der geplanten Börsen-Hochzeit zwischen London und Frankfurt. Selbst der angebotene Verkauf einer Clearing-Tochter durch die LSE an den europäischen Konkurrenten Euronext konnte die Zweifel an einer marktbeherrschenden Stellung des geplanten Börsenriesen letztlich nicht ausräumen.

Im Clearing wickelt ein Handelsplatz Finanzgeschäfte zweier Vertragspartner ab, der Anbieter gewährt üblicherweise auch einen Risikoschutz. Zinsswaps sind Finanztauschgeschäfte, Grundlage können dabei variable und feste Zinssätze auch in verschiedenen Währungen sein./men/bgf/jha/

(AWP)