Deutsche Börse will bei LSE-Fusion Hürde für Aktionärszustimmung senken

FRANKFURT (awp international) - Die Deutsche Börse will bei der ins Wanken geratenen geplanten Fusion mit der Londoner Börse zumindest die Zustimmung der eigenen Anteilseigner sichern. Es werde geprüft, ob die Mindestzustimmungsquote durch die Aktionäre abgesenkt werden soll, kündigte das Unternehmen am späten Sonntagabend in Frankfurt an. Derzeit liege die Mindestannahmeschwelle bei 75 Prozent. Am Montag (11. Juli) will die Deutsche Börse eine Entscheidung darüber treffen.
11.07.2016 06:46

Die Deutsche Börse begründete die Prüfung damit, dass sogenannte Indexfonds die Papiere erst umtauschen können, wenn die neuen Aktien des fusionierten Unternehmens in den jeweiligen Index aufgenommen wurden. Dies hängt jedoch wiederum vom Erreichen bestimmter Schwellen an. Diese seien jedoch zwei Tage vor Ablauf der Umtauschfrist noch nicht erreicht, so dass die Indexfonds, die nach Angaben der Deutschen Börse gegenwärtig bis zu 15 Prozent der Anteile halten, derzeit ihre Aktien nicht umtauschen dürfen.

Um dennoch von genügend eigenen Aktionären grünes Licht für die Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) zu erhalten, könnte jetzt die Schwelle gesenkt werden. Mit diesem Schritt soll den Indexfonds der Tausch ermöglicht werden und damit zumindest die Zustimmung der eigenen Aktionäre gesichert werden. Die Anteilseigner der LSE haben der Fusion bereits zugestimmt.

Neben der noch nicht gesicherten Zustimmung der eigenen Aktionäre bereitet der vor kurzem von Grossbritanniens Wählern beschlossene Austritt aus der Europäischen Union (EU) Probleme. Durch den Brexit fällt zum Beispiel der bisher geplante Umzug des Firmensitzes nach London wohl ins Wasser. Auch die Verteilung der Geschäftsfelder muss noch mal überprüft werden. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ist aber Berichten zufolge bereit, die Struktur des neuen Unternehmens der politischen Lage anzupassen./zb

(AWP)