Deutsche Börse wirbt trotz Brexit für Fusion

Frankfurt (awp/sda/reu) - Die Deutsche Börse kämpft trotz der Kritik von Politik und Aufsichtsbehörden für den Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE). Nach der Entscheidung der britischen Bevölkerung, die EU zu verlassen, sei es nun wichtiger als zuvor, die finanzwirtschaftliche Verbindung zum Vereinigten Königreich stabil zu halten.
29.06.2016 13:49

"Der Finanzplatz Frankfurt sollte dabei eine Führungsrolle einnehmen und die Verbindung zwischen Europas grösster Volkswirtschaft mit London als dem grössten Finanzplatz der Welt sicherstellen", sagte der Verwaltungsratspräsident der Deutschen Börse, Joachim Faber, am Mittwoch. Die fusionierte Börse könne dabei eine Schlüsselrolle übernehmen.

Zuletzt hatten mehrere deutsche Politiker und die deutsche Finanzaufsicht BaFin die Unternehmen aufgefordert, die fusionierte Börse nicht wie geplant in London anzusiedeln. Ob LSE und Deutsche Börse auf die Forderung eingehen werden, wird massgeblich vom sogenannten Referendums-Komitee abhängen, das beide Unternehmen bereits im März installiert haben.

Dem Gremium gehören jeweils drei Manager von Deutscher Börse und LSE an. Bei einem Patt hat Faber als Leiter der Gruppe die entscheidende Stimme. Das Komitee werde in den nächsten Monaten regelmässig zusammenkommen, um die Auswirkungen des Brexit auf die fusionierte Börse zu erörtern und Empfehlungen zu erarbeiten, erklärte Faber.

"Dabei geht es um eine umfassende Analyse der wirtschaftlichen, politischen, regulatorischen, aufsichtsrechtlichen und steuerlichen Auswirkungen - aber auch um die Interessen der Kunden und weiterer Marktteilnehmer und das Ziel, die Stabilität und Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte nachhaltig zu sichern und zu stärken", sagt er.

Die grosse Frage ist einem Insider zufolge, ob London bereit ist, sich in der Frage des Hauptsitzes zu bewegen - die Deutsche Börse stellt mit Carsten Kengeter schliesslich schon den Konzernchef.

Für den Finanzplatz Frankfurt wird die Entscheidung über die Börsen-Fusion in jedem Fall grosse Auswirkungen haben. Ein hochrangiger EU-Vertreter machte am Dienstagabend deutlich, dass die Abwicklung von Derivate-Geschäften in Euro künftig nicht mehr in London stattfinden kann und in die EU verlagert werden muss.

(AWP)