Deutsche Maschinenbauer nicht in Sorge vor Übernahmen aus China

Deutschlands Maschinenbauer reagieren gelassen auf das Interesse chinesischer Investoren an Zukäufen in Deutschland.
18.12.2016 06:03
Deutsche Maschinenbauer zeigen sich bezüglich chinesischen Übernahmen gelassen.
Deutsche Maschinenbauer zeigen sich bezüglich chinesischen Übernahmen gelassen.
Bild: Pixabay

"Es gibt keinen Grund zur Besorgnis", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Thilo Brodtmann, in einem letzt Woche veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Der Umfang der Investitionen aus China entspreche nur einem Bruchteil der deutschen Investitionen in der Volksrepublik. Von einem Masseneinkauf könne keine Rede sein. Es sei Sache der Eigentümer der Unternehmen darüber zu entscheiden. "Die Nationalität des Investors ist belanglos", sagte Brodtmann. Ausnahmen dürfe es nur in Einzelfällen, etwa bei der Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, geben.

Deutsche Unternehmen erfreuen sich in China großer Beliebtheit. Zwar war die Übernahme des Chipanlagenherstellers Aixtron durch einen chinesischen Investor am Veto von US-Präsident Barack Obama kürzlich gescheitert. Zuvor hatten Chinesen aber unter anderem beim Augsburger Automatisierungs-Spezialisten Kuka und beim schwäbischen Betonpumpenhersteller Putzmeister zugegriffen.

Verband - Gute Erfahrungen mit Investoren aus China

"Die Erfahrungen mit Investoren aus China sind durchweg gut", berichtet VDMA-Experte Brodtmann. Zusagen würden, soweit bekannt, eingehalten. Zudem trügen die Investitionen in den deutschen Maschinenbau dazu bei, Arbeitsplätze zu sichern. Die Unternehmen erhielten ferner neue Geschäfts- und Expansionschancen. "Diese Aspekte sollten nicht verkannt werden."

Der VDMA vertritt die Interessen von über 3100 Unternehmen. Zu der Branche gehören neben zahlreichen Mittelständlern auch börsennotierte Konzerne wie Thyssenkrupp und Gea. Mit gut einer Million Beschäftigten und einen Umsatz von rund 220 Milliarden Euro ist die Branche ein Rückgrat der deutschen Wirtschaft. China ist für die Hersteller von Anlagen "Made in Germany" nach den USA der wichtigste Auslandsmarkt.

Bislang schotte sich China selbst bei Übernahmen insbesondere in Schlüsselindustrien jedoch zu sehr ab. "Dazu gehört zum Beispiel der Zwang zu Joint-Ventures in bestimmten Wirtschaftssektoren oder der fehlende Zugang von ausländischen Niederlassungen in China zu lokalen Förderprogrammen", erläuterte Brodtmann. Zudem gebe es hohe bürokratische Hürden bei der Übernahme chinesischer Maschinenbauer durch ausländische Unternehmen. "Der VDMA fordert weltweit einen freien Zugang für unsere Maschinen und Anlagen, für Kapital und auch für Personen in unseren Absatzmärkten." Es müssten für alle gleiche Rechte und Pflichten gelten.

Dafür solle sich auch die Bundesregierung einsetzen. "Ziel der Bundesregierung darf es nicht sein, chinesischen Investoren den Zugang zum hiesigen Markt zu verweigern." Vielmehr solle die Bundesregierung darauf drängen, dass China seinen Markt für ausländische Investoren deutlich weiter öffne, damit wirklich freier Wettbewerb herrschen könne. Hierzu sollte die deutsche Politik und die EU-Kommission auch Maßnahmen formulieren.

(Reuters)