Deutsches Autogewerbe hält Diesel-Nachrüstungen für schnell umsetzbar

Mögliche Nachrüstungen für ältere Dieselfahrzeuge wären in den Werkstätten nach Einschätzung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) schnell umsetzbar. "Ich halte das für lösbar", sagte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn der Deutschen Presse-Agentur. Die Werkstätten seien darauf eingerichtet. Das hätten frühere Umrüstaktionen wie etwa die Russpartikelfilter bei Dieselfahrzeugen oder die Nachrüstkatalysatoren bei Benzinern in den 1980-er Jahren gezeigt. Der ZDK fordert seit langem, sich auf Hardware-Nachrüstungen für ältere Diesel einzulassen.
03.10.2018 07:17

Die grosse Koalition hatte sich am Dienstag auf ein Konzept geeinigt, wonach Besitzer älterer Diesel in Regionen mit besonders schmutziger Luft Umtauschprämien sowie Hardware-Nachrüstungen angeboten bekommen sollen. Auf diese Weise sollen Fahrverbote vermieden werden. Wenn Fahrer von Euro-5-Dieseln eine Nachrüstung wollen, erwartet der Bund demnach "vom jeweiligen Automobilhersteller, dass er die Kosten hierfür einschliesslich des Einbaus übernimmt". Die Haftung sollen die Nachrüstfirmen übernehmen.

Hier herrscht allerdings noch Uneinigkeit. Denn einige Autohersteller wie BMW oder Opel lehnen Nachrüstungen ab. Volkswagen und Daimler hingegen wollen sich an Nachrüstungen beteiligen, sofern zertifizierte und zugelassene Systeme existieren. Volkswagen machte noch zur Bedingung, "dass die Bundesregierung sicherstellt, dass sich alle Hersteller an den entsprechenden Massnahmen beteiligen". Auch bei den ausländischen Herstellern sieht man die Nachrüstungen kritisch. Der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sieht Haftungsfragen in rechtlicher Hinsicht nach wie vor ungeklärt.

Auch beim ADAC sieht man die Nachrüstungen nicht leicht umsetzbar. Es brauche noch Freigaben für die sogenannten SCR-Katalysatoren. Diese müssten serienreif und im Dauerbetrieb erprobt sein. Es liege nun an der Politik, die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, so eine Sprecherin. Der ADAC testet bereits Diesel-Nachrüstungen - allerdings sind das Protypen, die nur auf Basis einer Ausnahmegenehmigung eines Regierungspräsidiums im Einsatz sind.

Neben den Nachrüstungen soll es neue Kaufanreize für Autos der Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 geben. Hier hingegen herrscht nach Einschätzung von Peckruhn ebenfalls noch grosse Unsicherheit. "Das kann man erst bewerten, wenn die genauen Rahmenbedingungen feststehen." Die Prämien sollen sowohl für Gebrauchte als auch für Neuwagen eingesetzt werden können. Allerdings seien wegen der Umstellung auf neue Abgas-Prüfstandards derzeit überhaupt nicht genug Neuwagen am Markt, so Peckruhn./ang/DP/jha

(AWP)