Deutschlands Energiebranche fordert gerechtere Kostenverteilung der Energiewende

Die Energiebranche hat eine gerechtere Verteilung der Kosten für die Energiewende gefordert. Die Belastungsgrenzen für die Stromkunden seien erreicht, wenn nicht überschritten, sagte Eon -Chef Johannes Teyssen am Mittwoch bei der "Handelsblatt"-Energietagung in Berlin. Sonst drohe Akzeptanzverlust. Bisher zahlen die Haushalts-Stromkunden über zahlreiche Aufschläge auf den Strompreis - vor allem die EEG-Umlage - für den Wandel. Laut Branchenverband BDEW sind das im laufenden Jahr rund 35 Milliarden Euro.
25.01.2017 12:52

Der Chef des grossen Ökostromanbieters Innogy , Peter Terium, hatte am Dienstag ebenfalls die hohen Abgabenlast auf den Strompreis beklagt. Die Last an Steuern, Umlagen und Abgaben für Strom-Haushaltskunden liege derzeit bei 54 Prozent des Gesamtpreises, sagte Terium. Bei den Energiequellen Erdgas und Erdöl betrage die staatliche Last dagegen mit rund 27 Prozent nur etwa die Hälfte davon. Das könne nicht so bleiben. "Öl und Gas hoch, Strom runter oder eine Kombination aus beidem", sagte Terium. Mit den Einnahmen wird der Ausbau von erneuerbaren Energien mitfinanziert.

"Die sauberste Lösung wäre, die EEG-Umlage und andere Umlagen vom Strompreis zu lösen und wie andere Staatsaufgaben über allgemeine Steuern zu finanzieren", sagte Eon-Chef Teyssen. Die Energiewende sei schliesslich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ihm sei klar, dass eine solche Reform vor der Bundestagswahl nicht mehr kommen werde. "Aber jetzt werden die Parteiprogramme geschrieben." Vor kurzem hatte auch der Bundesrechnungshof die Finanzierung der Energiewende kritisiert: Die Bundesregierung habe die Kosten nicht im Blick.

Bezahlbarer Strom wird auch deshalb immer wichtiger, weil zur Einhaltung der Klimaziele Ökostrom verstärkt auch zum Heizen und im Strassenverkehr für Elektroautos und Wasserstoffantriebe eingesetzt werden soll. 60 Prozent des CO2-Ausstosses fallen derzeit ausserhalb der Energiewirtschaft an - also etwa für Heizungen, im Verkehr und in der Landwirtschaft. Bundesregierung und Energiebranche möchten mit Ökostrom fossile Energien teils ersetzen.

Enttäuscht zeigte Teyssen sich vom Stand der Klimaschutzpolitik auf Europa-Ebene. Das sogenannte Winterpaket der Europäischen Kommission enthalte mehr als 1000 Seiten Text und zahlreiche Vorschriften, aber weiterhin keine Reform der EU-Verschmutzungsrechte mit einem einheitlichen Mindestpreis, wie ihn etwa Frankreich vorgeschlagen habe. Um den Treibhausgasausstoss zu drosseln, wurde der Emissionshandel eingerichtet. Branchen, die viel CO2 in die Atmosphäre geben, müssen entsprechende Verschmutzungsrechte kaufen.

Frankreich denke dabei an 30 Euro pro Tonne, später sogar 50 Euro, damit die Preise für Verschmutzungsrechte Wirkung entfalten, sagte Teyssen. Derzeit liegt der Preis bei knapp über 5 Euro. Der Verschmutzungsrechtehandel liege "im Koma", kritisierte er. "So werden wir das 1,5-Grad-Klimaziel sicher nicht erreichen."/rs/DP/tos

(AWP)