Deutschlands Interesse an einer intakten EU

Deutschland ist die weltweit drittgrösste Handelsnation mit einem grossen Exportanteil in Europa. Ein Auseinanderbrechen der EU hätte weitreichende Konsequenzen.
26.12.2016 11:25
Deutschland und die EU: Eine Verbindung mit vielen Interessen.
Deutschland und die EU: Eine Verbindung mit vielen Interessen.
Bild: cash

Der deutsche Handelspräsident Anton Börner hat die deutsche Politik aufgefordert, die Europäische Union vor einem Zerfall zu bewahren. "Wenn wir die Weltmärkte sichern wollen, brauchen wir Europa, unseren wichtigsten Kernmarkt", sagte der Präsident des Bundesverbandes Grosshandel, Aussenhandel, Dienstleistungen (BGA) in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Daher müsse alles getan werden, die EU zusammenzuhalten. "Europa zu verlieren, verkraften wir nicht", warnte der Handelspräsident. Deutschland ist die weltweit drittgrösste Handelsnation. Knapp 60 Prozent seiner Exporte gehen in Länder der Europäischen Union.

Wachsende Widerstände gegen Globalisierung und Freihandel in Deutschland seien eine Gefahr für Wachstum und Wohlstand, sagte Börner. "Freihandel heisst schliesslich nicht regelungebundener Handel", widersprach er der Kritik, beim Freihandel gehe es vor allem um einen schrankenlosen Warenaustausch. Es sei offenbar nur unzureichend vermittelt worden welche Bedeutung der Globalisierung beim weltweiten Abbau von Armut zukommt. "Sollte Deutschland sich tatsächlich dazu entscheiden, sich von der Weltwirtschaft abzuschotten, dann hätte die deutsche Bevölkerung ein Riesenproblem." Schliesslich hingen mittlerweile rund die Hälfte der hiesigen Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Aussenhandel ab und damit auch Renten oder soziale Sicherungssysteme.

Viele Herausforderungen liessen sich national nicht mehr lösen, sagte Börner. Als Beispiel nannte er Terrorismus, "der nicht aufhören, sondern zunehmen wird" sowie Migration. Alle diese Themen liessen sich nur supranational lösen, sagte der Handelspräsident. Er hoffe, dass die Tendenzen zur Renationalisierung bald wieder zurückgedrängt werden könnten.

Börner rechnet mit einem weiteren Wachstum des Welthandels. Dass dieser in diesem Jahr so schwach gewachsen ist wie seit Jahren nicht mehr, sei keine grundlegende Entwicklung. "Angesichts des Tempos der Bevölkerungsentwicklung und der wirtschaftlichen Entwicklung in den Entwicklungs- und Schwellenländern ist davon auszugehen, dass mittel- und langfristig der Welthandel weiter stark wachsen wird - wenn man ihn lässt", sagte er. Wichtiger sei die Frage, inwiefern Deutschland daran teilhaben werde und sich dafür aufstelle.

Die deutschen Exporte und Importe beliefen sich 2015 der Welthandelsorganisation (WTO) zufolge auf rund 2,4 Billionen Dollar. Zuletzt litten die deutschen Geschäfte unter der schwachen Weltkonjunktur. Im Oktober 2016 fielen sie um mehr als vier Prozent niedriger aus als im Vorjahr.

(Reuters)