Devisen und Politik - Trump verursacht in Mexiko Peso-Turbulenzen

Die Twitter-Attacken von US-Präsident Trump haben der mexikanischen Währung schwer zugesetzt. Die Notenbank muss tief in die Kriegskasse greifen, um den Peso zu stützen.
21.05.2017 11:05
Einhundert-Peso-Noten, ordentlich aufgefächert.
Einhundert-Peso-Noten, ordentlich aufgefächert.
Bild: Bloomberg

Der Verfall stellt vor allem Importeure vor Probleme. Die protektionistischen Töne aus Washington seit der Wahl von US-Präsident Donald Trump haben den mexikanischen Peso auf Talfahrt geschickt. Von den Wechselkursschwankungen sind auch ausländische Unternehmen in Mexiko betroffen.

"Der Verfall des Pesos hat vor allem die Importeure vor Probleme gestellt, weil die mexikanischen Kunden geplante Anschaffungen beispielsweise für Maschinen erst einmal aufschieben", sagte der Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer, Johannes Hauser. "Von einer dramatischen Entwicklung bei den Stornierungen ist uns aber nichts bekannt. Im Übrigen hat sich der Peso seit dem Tiefststand Mitte Januar wieder ein gutes Stück erholt."

Tweets machten Bemühungen zunichte

Nach der US-Wahl im November war der Peso gegenüber dem Dollar abgestürzt. Die mexikanische Notenbank pumpte daraufhin Hunderte Millionen Dollar in den Markt, um die Währung zu stützen. Ein niedrigerer Wechselkurs trifft Firmen in Mexiko, da sie für eingeführte Produkte aus dem Ausland mehr Peso zahlen müssen.

Mit seinen Angriffen via Twitter machte Trump die Bemühungen Mexikos indes schnell zunichte. "Ich sage es mal einfach: Mit zwei Tweets von Wir-wissen-schon-wem war der Effekt verflogen", erzählte Zentralbankchef Agustín Carstens zuletzt im Senat. Später nutzte die Notenbank Termingeschäfte, um den Peso-Kurs zu sichern.

Wie stark die Wechselkursschwankungen die Firmen treffen, hängt aber von Branche und Geschäftsmodell ab. "Die Chemieindustrie, die viele Vorprodukte im Dollar-Raum einkauft, leidet unter dem schwachen Peso", sagt Florian Steinmeyer, Berichterstatter der Aussenwirtschaftsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) in Mexiko. "Unternehmen, die eine arbeitsintensive Produktion in Mexiko unterhalten, profitieren hingegen, weil die Löhne in Peso gezahlt werden."

US-Präsident Trump hatte sich bei seinen Äusserungen über Mexiko zuletzt etwas gemässigt. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) soll nun nachverhandelt werden. Der angedrohte Ausstieg ist vorerst vom Tisch. Schliesslich profitieren auch viele US-Unternehmen vom freien Handel mit Mexiko.

"Der Peso ist unter anderem durch die Äusserungen von Trump und die Unsicherheit über die Zukunft des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens unter Druck geraten", sagt GTAI-Experte Steinmeyer. "Dabei ist die Lage in Mexiko derzeit gar nicht schlecht. Die Wirtschaft ist stabil. Der Peso könnte mittelfristig wieder aufwerten."

(AWP)