Devisenprobleme der Türkei - Wertet der Franken im Abwärtsstrudel der Lira auf?

Der Absturz der türkischen Lira bewegt im Moment die Devisenmärkte und hat wegen Sorgen um das Bankensystem den Euro geschwächt. Dies hat Einfluss auf den Franken.
10.08.2018 10:41
Von Marc Forster
Blick über die historischen Dächer der Altstadt von Istanbul zum Wirtschaftszentrum der Stadt.
Blick über die historischen Dächer der Altstadt von Istanbul zum Wirtschaftszentrum der Stadt.
Bild: Pixabay

In der Nacht auf den heutigen Freitag ist der Kurs des Euro kurz auf 1,1388 Franken gefallen und verharrt aktuell bei 1,14. Zum Monatsbeginn lag der Kurs bei knapp über 1,16. Zum Dollar hat der Euro seit Anfang August um 1,1 Prozent abgewertet. "Hauptgrund für die Abschwächung des Euro zum Dollar wie auch zum Franken in den vergangenen zwei Tagen ist die Türkei, wo wir schon fast eine Währungskrise sehen", sagt Elias Hafner, Devisenstratege bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Seit Tagen befindet sich die Lira im freien Fall. Allein heute hat die türkische Lira zum Dollar 7,5 Prozent verloren.  "Die Abwertungen der Lira könnten die Bedienung der Fremdwährungsverbindlichkeiten zunehmend schwieriger machen", schreibt die liechtensteinische VP Bank in einem Kommentar. Dabei stehe weniger die Auslandsverschuldung  der öffentlichen Hand im Fokus als diejenige des privaten Sektors. Sorge bereiteten die kurzfristigen Fremdwährungsverbindlichkeiten der türkischen Banken. Am türkischen Aktienmarkt sind Bank-Aktien heute am deutlichsten gefallen.

Der Kurs des Dollars zur Türkischen Lira (TRY) seit März (Chart: cash.ch)

"Gerade deshalb zeigt sich nun die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) besorgt über mögliche Ansteckungseffekte des europäischen Finanzsektors", schreibt die VZ Bank weiter. Besonders die Banken BBVA aus Spanien, die italienische Unicredit und die französische BNP Paribas stehen laut einem Bericht der "Financial Times" im Fokus. Die Aktien der drei in dem Zeitungsbericht der Financial Times genannten Banken rutschten um je mehr als drei Prozent ab.

Derzeit haben Banken in der Türkei einer aktuellen Aufstellung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge Kredite in Höhe von 148 Milliarden Dollar und von 110 Milliarden Euro vergeben - der Grossteil davon kommt aus dem Ausland. Das höchste Risiko tragen den BIZ-Daten zufolge derzeit die spanischen Grossbanken, die Kredite über rund 83 Milliarden Dollar vergeben haben - aus Frankreich und Italien kommen 38 Milliarden Dollar beziehungsweise 17 Milliarden Dollar.

"Es schwingt die Sorge mit, dass die europäischen Banken ihr Geld aus der Türkei nicht wiedersehen werden", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Marktstrategen. Am Schweizer Markt fallen die Aktien der grossen Banken UBS, Credit Suisse und Julius Bär zur Stunde um 1,5 bis 2 Prozent zurück, auch wenn das Exposure dieser drei Institute in der Türkei wohl eher klein ist.

Unsicherheit um Euro

Die Warnung der EZB bezüglich dem Türkei-Engagement einiger europäischen Banken habe für Unsicherheit gesorgt, sagt Elias Hafner von der ZKB. "Es bestehen Befürchtungen wegen Zahlungsausfällen. Insgesamt ist das Türkei-Exposure europäischer Banken aber relativ gering."

Letztlich sind die Ansteckungsfolgen des Lira-Verfalls auf die Eurozone aber begrenzt. Auch die Korrelation der Lira mit den anderen Schwellenland-Währungen ist laut Experten nicht bedeutend. Die Situation könnte den Euro laut der ZKB vorerst weiter belasten. Die Bank hält aber an ihrer 3-Monate-Prognose für den Euro-Franken-Kurs von 1,15 fest.

Dabei können aber auch andere Faktoren als die Währungsprobleme der Türkei den Euro belasten. Für Unsicherheiten um den Euro sorgen auch weiterhin der Konflikt um die Handelsbeziehungen der USA sowie die Politik in Italien. Ein möglicherweise ausgabenfreudiges Budget der seit Juni amtierenden Regierung in Rom macht die Leitgremien der EU und der Eurozone nervös.

Mit Material der Nachrichtenagenturen AWP und Reuters.