Die EM ist für Frankreichs Wirtschaft nutzlos

Der gewaltfreie Start der Fussball-EM und der Sieg des heimischen Teams zum Auftakt sorgen für gute Stimmung in Frankreich. Konjunkturexperten bezweifeln aber den wirtschaftlichen Nutzen des Turniers für das Land.
11.06.2016 11:29
Vor dem Eiffelturm: Offizieller Fussball der EM 2016 in Frankreich.
Vor dem Eiffelturm: Offizieller Fussball der EM 2016 in Frankreich.
Bild: iNg

Unabhängig vom weiteren Abschneiden der "Bleus" rechnen Experten nur mit moderaten Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung des Landes. Einer Studie der Universität Limoges im Auftrag des europäischen Fußballverbandes Uefa zufolge dürften Touristen- und Uefa-Ausgaben während der vierwöchigen Sportveranstaltung für einen Nettobeitrag von rund 1,27 Milliarden Euro sorgen.

Dies entspreche etwa 0,05 Prozent der Wirtschaftsleistung und auf Quartalssicht handele es sich um nicht mehr als eine "Eintagsfliege", sagt Mitautorin Nathalie Henaff. Ihr Kollege Christophe Lepetit ergänzt, die Fußball-EM werde kurzfristig nur in einigen Sektoren für eine Belebung sorgen.

Jüngst gab es mehrere Hinweise darauf, dass sich die Konjunktur in der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone verbessert. Nach drei Jahren der Stagnation war das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent und von Januar bis März um kräftige 0,6 Prozent zum Vorquartal gestiegen. Dazu trugen insbesondere der private Konsum und Investitionen bei. Allerdings könnten nun die anhaltenden Streiks für Irritationen im zweiten Quartal sorgen. So setzen Beschäftigte der Staatsbahn genau wie Piloten von Air France und Mitarbeiter der Müllvorsorgung während der EM auf Ausstände.

Unbeliebter Präsident Francois Hollande

Bilder von Müllbergen begleiten die Europameisterschaft damit genauso wie die von rund 90'000 Polizisten und Sicherheitskräften, die die Stadien sichern. "Ein erfolgreiches Turnier sollte Frankreich nach den Terroranschlägen im vergangenen Jahr helfen, das Image eines sicheren Urlaubslands aufzupolieren", sagt Ökonom Diego Iscaro vom Marktbeobachter IHS Global Insight. Die französische Nationalmannschaft feierte im Eröffnungsspiel gegen Rumänien einen 2:1 Sieg. Die Partie wurde im Stade de France vor den Toren der französischen Hauptstadt ausgetragen. Vor dem Stadion hatten sich im November Islamisten als Teil einer Anschlagsserie in die Luft gesprengt. Damals kamen insgesamt 130 Menschen ums Leben.

Während eine erfolgreiche Ausrichtung der Fußball-Europameisterschaft laut Iscaro zumindest vorübergehend die Verbraucherstimmung deutlich anheben dürfte, könnten weitere blutige Anschläge und anhaltende Streiks das Bild von Frankreich in der Welt deutlich erschüttern. Bilder von Wasserwerfern und Tränengas könnten Fans davon abhalten, auch ohne Tickets ins Land zu reisen. Und für den unbeliebten Präsidenten Francois Hollande dürfte das Turnier kaum zu einer Trendwende führen.

"Während der Fußball-Europameisterschaft 1984 war Präsident Francois Mitterrand sehr unpopulär und daran hat sich nichts geändert, obwohl die Nationalmannschaft Höchstleistungen zeigte und Michel Platini neun Tore schoss", sagte Frederic Dabi vom Marktforschungsinstitut Ifop. Hollandes Zustimmungswerte sind auf ein Rekordtief von 16 Prozent gesunken. 

(Reuters)