«Die EZB muss dringend über die Bücher»

Die Wertpapierkäufe der EZB zeigen Wirkung. Zu sehr, meint der Chefökonom einer deutschen Bank und legt mit einer genauso überraschenden wie auch aufsehenerregenden Aufforderung nach.
19.03.2015 08:22
Von Lorenz Burkhalter
Die DZ Bank erachtet den überwältigenden Erfolg der Wertpapierkäufe als eine Baustelle für die EZB.
Die DZ Bank erachtet den überwältigenden Erfolg der Wertpapierkäufe als eine Baustelle für die EZB.
Bild: cash

Seit knapp drei Wochen kauft die Europäische Zentralbank (EZB) neben verbrieften Forderungen auch Staatsanleihen. Insgesamt soll auf diese Weise über die kommenden Monate die atemberaubende Summe von 1000 Milliarden in das europäische Finanzsystem fliessen.

Für dieses Vorhaben erhielt die EZB schon mehrere Wochen vor der Ausweitung der Wertpapierkäufe Vorschusslorbeeren. Der EuroStoxx-50-Index kletterte seit Mitte Januar um 22 Prozent, einige Länderindizes wie der Deutsche Aktienindex sogar um gut 26 Prozent. Gleichzeitig büsste der Euro gegenüber dem Dollar knapp 10 Prozent ein.

Damit fiel die Reaktion an den Finanzmärkten rückblickend deutlich weitreichender als erwartet aus. Diese Meinung vertritt auch der Chefvolkswirt der DZ Bank, welche den Volksbanken und Raiffeisenbanken angeschlossen ist. Er zeigt sich äusserst beeindruckt von den Auswirkungen auf die Zinsen, den Euro und die Aktienmärkte.

Wird die EZB zum Opfer des eigenen Erfolgs?

Der Wirtschaftsexperte macht kein Geheimnis daraus, dass er die Kursgewinne an den europäischen Aktienmärkten für exzessiv hält. Gleichzeitig rechnet er mit anhaltendem Druck auf den Euro genauso wie auf die Zinsen. Durch den schwächeren Euro verspricht sich der Chefökonom der DZ Bank einen Anstieg der Exporte und höhere Importpreise. Am Ende des Tages führe beides zu steigenden Konsumentenpreisen.

Der Experte wähnt die EZB und ihre Entscheidungsträger deshalb in einem Dilemma. Der gewünschte Effekt der Wertpapierkäufe auf die Realwirtschaft werde sich vermutlich sehr viel schneller als erwartet einstellen. Auslöser sei vor allem der schwache Euro, auf welchen die EZB eigentlich gar nicht aktiv Einfluss nehmen wolle.

Für ihn ist klar: «Die EZB muss dringend über die Bücher». Deshalb seine genauso überraschende wie auch aufsehenerregende Forderung an die Adresse der EZB: Diesem Dilemma könne nur mit einer Reduktion des ursprünglich geplanten Umfangs der Wertpapierkäufe begegnet werden.

Der Verdacht liegt nahe, dass die europäischen Anleihen- und Aktienmärkte eher unterkühlt auf einen solchen Vorstoss reagieren würden. Gottseidank steht der Experte mit seiner Forderung bislang ziemlich alleine da.