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Die Managerlöhne bleiben ein Thema

Warum die Lohndebatte trotz der deutlichen Ablehnung der 1:12-Initiative nicht vom Tisch ist. Und weshalb wir uns vor der Leserschaft von cash.ch verneigen.
25.11.2013 03:34
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Zuerst möchte ich Ihnen, liebe cash-Leserinnen und Leser, meine höchste Anerkennung aussprechen. Der Ausgang der 1:12-Initiative trifft so ziemlich genau das Resultat einer cash-online-Umfrage vor drei Wochen, in welcher die cash-User zu Ihrem Abstimmungsverhalten bei dieser Vorlage befragt wurden. 68 Prozent der 3400 Teilnehmenden sagten damals, sie würden die 1:12-Initiative ablehnen. Nun sagten etwas über 65 Prozent der Schweizer Stimmbürger an der Urne "Nein".

Das Resultat vom Sonntag mag in dieser Deutlichkeit überraschen. Wohl auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", welche die cash-Online-Umfrage in einem ihrer Artikel vor zwei Wochen zitiert hatte mit dem Hinweis, dass Abstimmungsresultat wohl nicht so deutlich ausfallen werde. Die altehrwürdige "FAZ" sollte Unrecht behalten. Und cash-Leser bewiesen einmal mehr, dass sie vor Abstimmungen zu Wirtschaftsthemen einen sehr guten Riecher haben.

Nun lehnen also fast so viele Schweizer Stimmbürger die 1:12-Inititiative ab wie die Abzocker-Initiative Befürworter fand. Warum diese Umkehr? Die Wirtschaftsverbände waren in der jetzigen Abstimmung sicher besser vorbereitet als bei der Minder-Initiative. Ihr Argument der staatlichen Verordnung von Löhnen hat viele Schweizerinnen und Schweizer, die traditionell eine Grundskepsis gegen staatliche Bevormundung hegen, am meisten überzeugt - zu Recht.

Zudem kam die 1:12-Initiative - im Gegensatz zur Abzocker-Vorlage - von einer politischen Organisation, die bisweilen radikale Positionen vertritt. Argumente von solchen Parteien, die weitab der politischen Mitte operieren, haben es in der Schweiz an der Urne ebenfalls schwer.

Trotzdem: Das Thema Lohnexzesse und Ausweitung der Lohnschere ist mit der deutlichen Ablehnung der 1:12-Initiative nicht vom Tisch. Ich darf hier wiederum die Erfahrungen heranziehen, die wir bei cash.ch fast tagtäglich machen. Zu keinem anderen Thema erhalten wir so viele erboste User-Kommentare wie zu Lohnübertreibungen, Abgangsentschädigungen oder Begrüssungsgeldern für Manager. Und man merkt immer wieder: Es sind durchaus gut verdienende Leute, die sich über solche Themen aufregen.

Die Menschen in der Schweiz stemmen sich nicht bloss gegen aus dem Ruder laufende Managerlöhne und -boni, die sind nach wie vor üppig vorhanden. Weshalb etwa Clariant-CEO Hariolf Kottmann gleich viel Entschädigung erhält wie ein Grossbanken-Chef, bleibt nach wie vor ein Rätsel.

Nein, die Leute wollen mehr. So abgedroschen dies tönen mag: Wir leben im Zeitalter der Transparenz. Und die Leute wollen mehr Transparenz bei Managerlöhnen und undurchsichtigen Vergütungssystemen. Wirtschaftsverbände kämpfen heute diesbezüglich vor allem gegen üble Fehler, die auf Unternehmensseite in der Vergangenheit begangen wurde. Und die Schweizer Wirtschaft wird in Lohn-Abstimmungen noch lange dagegen ankämpfen müssen. Insofern war das zuerst verborgen gebliebene Konkurrenzverbot und massive Abschiedsgeld von Daniel Vasella vielleicht der grösste Bärendienst, welche der ex-Novartis-Boss der Schweizer Wirtschaft hinterlassen hatte.