Die Suche nach Lösungen für Condor läuft auf Hochtouren (AF)

(Ausführliche Fassung) - Die Bundesregierung will rasch über einen Überbrückungskredit für Condor entscheiden. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kündigte am Dienstag einen Beschluss der Bundesregierung "in den nächsten Tagen" an. Der CDU-Politiker betonte am Dienstag in Berlin am Rande einer Industriekonferenz, die Schwierigkeiten seien durch die Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook entstanden. "Es sind keine hausgemachten Probleme."
24.09.2019 17:29

Auch der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook beantragte einen Überbrückungskredit. Er ist ebenfalls durch die Pleite der britischen Muttergesellschaft in Bedrängnis geraten.

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich zeigte sich zuversichtlich, dass die Bundesregierung Condor mit einem Überbrückungskredit helfen kann. Es gehe nicht nur darum, die Situation der Beschäftigten zu verbessern, sondern auch um ein Unternehmen, mit dem viele Menschen gern in den Urlaub reisten, sagte Mützenich in Berlin. "Von daher glaube ich schon, dass die Bundesregierung sowohl unternehmerische Grössen mit in den Bezug nimmt, aber letztlich auch einen politischen Auftrag erfüllt."

Der Ferienflieger, der etwa 4900 Mitarbeiter beschäftigt, erklärte mit Blick auf die Aussagen des Wirtschaftsministers: "Wir freuen uns über jedes positives Signal." Wegen der Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook hatte die bislang profitable Condor einen staatlich verbürgten Überbrückungskredit beantragt, um "Liquiditätsengpässe" zu verhindern. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich dabei um 200 Millionen Euro.

Die hessische Landesregierung stellte Unterstützung ist Aussicht. Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) konkretisierte das Angebot am Dienstag. Zur Höhe eines möglichen Überbrückungskredits sagte Schäfer dem Hessischen Rundfunk: "Wir haben ein bewährtes Verfahren in solchen Konstruktionen. Der Bund nimmt die Hälfte und die betroffenen Länder nehmen die andere Hälfte. Da Condor ja ein hessisches Unternehmen ist, wäre die andere Hälfte für das Land Hessen."

Flughäfen und Gewerkschaften unterstützten die Bitte des Unternehmens um Staatshilfe. Condor ist ein wichtiger Partner für deutsche Reiseveranstalter. Im Schnitt sind nach Angaben des Unternehmens weniger als ein Fünftel der Condor-Passagiere Gäste der Thomas Cook-Veranstaltermarken. Angesichts der bevorstehenden Herbstferien wäre ein Ausscheiden Condors aus dem Markt für die Tourismusbranche ein grosses Problem.

Am Dienstag hielt Condor seinen Betrieb weiter aufrecht. Alle Flüge sollten wie geplant durchgeführt werden, hiess es. Spezielle Teams beantworteten an den Flughäfen die Fragen der Passagiere. Gleichzeitig rede das Management mit allen Lieferanten und Partnerunternehmen, um seine Maschinen weiter in der Luft zu halten.

Die Pleite des Thomas-Cook-Konzerns beflügelte erneut die Spekulationen über einen Verkauf von Condor. Es gebe ein hohes Interesse auch bei Finanzinvestoren, sagte ein Condor-Sprecher. Bei einem möglichen Verkauf hätte der Insolvenzverwalter des britischen Reisekonzerns allerdings ein wichtiges Wort mitzureden.

Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook beantragte ebenfalls einen staatlichen Überbrückungskredit beim Bund. Die Anfrage sei am Montag erfolgt, sagte eine Sprecherin der Thomas Cook GmbH in Oberursel bei Frankfurt. Zur Höhe wurden keine Angaben gemacht. Zuvor hatte der "Hessische Rundfunk" darüber berichtet.

Die Tochter mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen ist nicht insolvent "Wir tun alles in unser Macht Stehende, um den Fortbestand unseres Unternehmens zu sichern", sagte Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung. Der Verkauf von neuen Reisen bleibt gestoppt.

Kunden können auch am 25. und 26. September ihre Reisen nicht antreten. Die Durchführung der Reise könne nicht garantiert werden. Nach Hause fliegen können Pauschalreisegäste den Angaben zufolge aktuell in der Regel wie geplant. Man sei mit den Fluggesellschaften im engem Austausch, sagte eine Sprecherin. Bereits am Montag und Dienstag konnten Kunden nicht zur ihrem Urlaubsziel starten.

Solange die Geschäftsführung prüft, ob sie einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen muss oder es noch Lösungen für Thomas Cook Deutschland gibt, hat sie besondere Pflichten. Die Geschäftsführung müsse das Vermögen der Gesellschaft zugunsten ihrer Gläubiger sichern. "Beispielsweise dürfen neue Verträge nur im Ausnahmefall geschlossen werden. Zahlungen für bereits erhaltene Leistungen dürfen grundsätzlich nicht mehr geleistet werden", erläuterte das Unternehmen.

Die Grünen pochen auf eine bessere Absicherung für Reisende. "Es hat sich gezeigt, dass die Absicherungssumme lange nicht ausreicht", sagte Fraktionschef Anton Hofreiter in Berlin. Er verwies auf den Antrag seiner Fraktion, über den der Bundestag an diesem Donnerstag abstimmt. Die Grünen fordern darin die Bundesregierung auf, den jährlichen Höchstbetrag, mit dem Versicherer im Falle von Insolvenzen haften, auf mindestens 300 Millionen Euro zu erhöhen, und gegebenenfalls andere Instrumente wie einen Absicherungsfonds zu prüfen.

Die Linkspartei forderte: "Der Bund muss Condor in der Luft halten, bis die Fluggesellschaft aus den Turbulenzen der Thomas-Cook-Insolvenz heraus ist." Parteichef Bernd Riexinger forderte konkret eine Kreditgarantie des Bundes, die mindestens so lange gilt, bis das Insolvenzverfahren des Mutterkonzerns abgeschlossen ist. "Im Gegenzug muss Condor betriebsbedingte Kündigungen für diesen Zeitraum ausschliessen."/mar/hoe/DP/jha

(AWP)