Die Superreichen sind erneut reicher geworden

Das Finanzjahr 2016 präsentiert sich sehr verhalten und doch sind die Superreichen in der Schweiz noch reicher geworden. Die 300 Reichsten besitzen zusammen 613 Milliarden Franken, was eine deutliche Steigerung ist.
02.12.2016 07:30
Die Familie von Christoph Blocher ist um zwei Milliarden reicher geworden.
Die Familie von Christoph Blocher ist um zwei Milliarden reicher geworden.
Bild: Screenshot Youtube

An den Börsen hielten sich 2016 die Kursgewinne weltweit in Grenzen, auch in den USA und Grossbritannien, ganz zu schweigen von den Märkten in der Schweiz, in Deutschland oder Japan. Schwer auf die Stimmung geschlagen haben terroristische Anschläge. Der Rausch auf den Immobilien- und Kunstmärkten ist verflogen. Einzig die Rohstoffmärkte haben sich nach jahrelangen Einbussen erholt. Und doch hat dieses durchzogene Jahr bei den 300 Reichsten in der Schweiz kaum Spuren hinterlassen.

Zwar ist bei 25 Personen oder Familien das Vermögen geschrumpft; doch ihnen stehen 68 Reiche gegenüber, die, teils deutlich, hinzugewonnen haben. Damit ist mehr als jeder Fünfte der 300 Superreichen noch vermögender geworden. Dies geht aus der jährlichen Spezialausgaben des Wirtschaftsmagazins "Bilanz" hervor, die die 300 Reichsten der Schweiz im Jahr 2016 vorstellt.

Zudem hat das Gesamtvermögen mit einem Plus von über 18 Mrd CHF deutlich stärker zugelegt als noch vor einem Jahr. Damals betrug das Plus 6 Mrd CHF.

Als die "Bilanz" 1989 begann, das Vermögen der Reichsten in der Schweiz ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen, besassen die 100 reichsten Personen zusammen 66 Mrd CHF. Pro Kopf entsprach das einem durchschnittlichen Vermögen von 660 Mio CHF. Heute liegt das Pro-Kopf-Vermögen im Schnitt bei 2,04 Mrd CHF. Es hat sich in den letzten drei Jahrzehnten also mehr als verdreifacht.

Hinzu kommt, dass mit 135 jeder Dritte der 300 Reichsten Milliardär ist. Laut "Bilanz" lebt demnach jeder 18. der weltweit 2473 Milliardäre in der Schweiz. Und: Für einen Platz unter der Top-Ten in der Schweiz brauchte es 2016 ein Vermögen von mindestens 10 Mrd CHF.

Altbekanntes Trio

Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich auf den ersten drei Plätzen nur das Vermögen geändert, die Personen sind die Gleichen. So steht unangefochten auf Platz Eins die Ikea-Familie Kamprad. Bezifferte die "Bilanz" deren Vermögen letztes Jahr mit 44 bis 45 Mrd CHF, sind es dieses Jahr 45 bis 46 Mrd.

Auf Platz Zwei steht mit geschätzten 27 bis 28 Mrd CHF der Bierbaron Jorge Lemann. Seine Beteiligung am weltweit grössten Bierbrauer ABInBev hat sein Vermögen 2016 um 1 Mrd CHF reduziert.

Platz Drei belegen die Familien Hoffmann und Oeri. Die Nachkommen der Gründer des Pharmakonzerns Roche verloren im letzten Jahr 2 Mrd CHF aufgrund des dümpelnden Aktienkurses von Roche. Dennoch besitzen sie immer noch ein Vermögen von 23 bis 24 Mrd CHF.

Die Familien Hoffmann und Oeri sind 2016 die grössten Verlierer, gefolgt von der Familie Hayek, deren Uhrenkonzern unter der Tourismusflaute im Zug der Terroranschläge etwa in Paris oder Belgien leidet. Platz Drei auf der Verliererliste belegt die Familie Brenninkmeijer, Besitzerin des Textilhändlers C&A.

Blochers mit zwei Milliarden mehr

Demgegenüber steht die Familie Blocher mit einem Zugewinn von 2 Mrd CHF aus deren Engagements in den Bereichen Kunststoffe, Chemie, Läckerli und Medien. Ivan Glasenberg, Konzernchef und Grossaktionär des Rohstoffgiganten Glencore hat sein Vermögen um zwei Mrdauf 4 bis 4,5 Mrd mehr als verdoppelt. Ebenfalls um 2 Mrd ist das Vermögen der Aufzüge- und Rolltreppenfamilien Schindler und Bonnard gewachsen.

Immerhin zeigt sich an diesen Beispielen, dass der Schweizer Geldadel seine Millionen und Milliarden im Wirtschaftskreislauf vermehrt - und damit auch noch so manchen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt.

(AWP)