Die ZKB gerät an den Märkten unter Druck

Der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA lässt das Vertrauen in Anleihen der Zürcher Kantonalbank schwinden. Investoren drohen happige Abschreiber und Zinsausfälle.
06.06.2013 10:31
Von Frédéric Papp
Das Investorenvertrauen in die Zürcher Staatsbank sinkt.
Das Investorenvertrauen in die Zürcher Staatsbank sinkt.

Die eigenkapitalbezogenen Obligationen der Zürcher Kantonalbank (ZKB) mit unbestimmter Laufzeit, sogenannte Tier-1-Bonds, standen am Mittwoch erneut unter Abgabedruck. Der Kurs des 2012 emittierten 3,5-Prozent-Bonds sank bei hohen Umsätzen bis auf 98 Prozent. Ende letzter Woche lag der ewige Bond noch nahe bei 104 Prozent.

Laut Händlern haben auch andere Anleihen der ZKB bei anziehenden Umsätzen an Wert eingebüsst. "Die Schwäche, die die Aktien mancher Kantonalbanken in den vergangenen Tagen erfasst hat, wirkt sich nun auch auf den Bondmarkt aus", sagt ein Händler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Grund für das Misstrauen der Investoren gegenüber den ZKB-Bonds ist ebenfalls der schwelende US-Steuerstreit. Das Zürcher Staatinstitut gehört zu den 13 Schweizer Banken, die laut der amerikanischen Justizbehörde US-Bürgern geholfen haben sollen, Steuern zu hinterziehen. Die ZKB begrüsst den Vorschlag des Bundesrates zur Lösung des Steuerstreits. Damit seien "die Voraussetzungen gegeben, dass auch die Zürcher Kantonalbank mit den US-Behörden eine individuelle Lösung vereinbaren kann", so die Bank in einem Statement Ende Mai. Eine allfällige Busse gegen die ZKB werde Gegenstand dieser individuellen Vereinbarung sein, hiess es weiter.

Allerdings zog das Parlament am Mittwoch die Notbremse und will die Behandlung des Steuerstreit-Gesetzes so lange aussetzen, bis der Inhalt des Programms bekannt ist.

Seit Tagen stehen die Aktien börsenkotierter Kantonalbanken ebenfalls arg unter Druck. Der Aktienkurs der Waadtländer Kantonalbank (BCV) und der St. Galler Kantonalbank sackten innert Wochenfrist um 6 beziehungsweise 7 Prozent ab. Und der Partizipationsscheine der Basler Kantonalbank rauschte gar 17 Prozent in die Tiefe. Letztere steht seit zwei Jahren unter Beobachtung der US-Justiz.

Gläubigern drohen Verluste

Falls keine Einigung zustande kommt, könnten die Bussen 13 Schweizer Banken möglicherweise noch schärfer ausfallen als bisher angenommen. Über die Höhe der Busse für die Zürcher Staatsbank wird schon länger spekuliert. Schätzungen von wenigen Hundert Millionen bis zu einer Milliarde Franken machen die Runde. Vergleicht man diese Beträge mit dem Jahresgewinn der ZKB von 770 Millionen Franken, dürfte die Busse schmerzen.

Doch auch Investoren könnten happige Verluste drohen. Denn Inhabern von "Tier-1-Anleihen" müssen bei einer Pleite der ZKB hinten anstehen. Zuerst würden die Forderungen der Kunden und allgemeinen Gläubigern der Staatsbank erfüllt werden und erst danach die Halter der Spezial-Anleihe - welche dann meistens leer ausgehen. Die Anleihe ist von der Staatsgarantie ausgenommen.

Aussetzung der Zinszahlungen möglich

Wenn die Kernkapitalquote unter 7 Prozent fällt, müssen die Gläubiger Forderungsverzichte zwischen 25 Prozent bis 100 Prozent hinnehmen. Dies wäre der Fall, wenn die ZKB einen Jahresverlust von 3,5 Milliarden Franken schreiben würde. Per Anfang Jahr betrug die Eigenkapitalquote der ZKB 14,7 Prozent.

Wahrscheinlicher ist aber, dass die Zinszahlungen künftig gestoppt werden. Falls die Eigenkapitalquote nach 2016 unter 13,6 Prozent fällt, kann die Finma ein Aussetzen der Zinszahlungen veranlassen. Weiter dürften dann keine Ausschüttungen an Kanton und Gemeinden erfolgen.

Im Lichte betrachtet, sind somit die Risiken für Anleger nicht zu unterschätzen, und der Risikoaufschlag von 3,5 Prozent ist sicherlich nicht zu hoch.