Diesel-Skandal zieht in Europa wohl noch weitere Kreise

Der Diesel-Abgasskandal dürfte sich noch ausweiten. In Frankreich könnte es nach Angaben des Umweltministeriums neben Renault auch gegen weitere Hersteller Ermittlungen geben.
15.01.2017 12:50
Renault gerät in den Geruch der Manipulation.
Renault gerät in den Geruch der Manipulation.
Bild: Bloomberg

In Deutschland fordert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt öffentlich einen Rückruf bestimmter Fahrzeuge von Fiat Chrysler. Bei den Renault-Fahrzeugen habe es eine Reihe von Unregelmässigkeiten gegeben, sagte Umweltministerin Segolene Royal der französischen Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche". "Das gilt auch für andere Autohersteller in anderem Ausmass. Deswegen könnte es Ermittlungen geben." Nähere Angaben, um welche Anbieter es sich handeln könnte, machte sie nicht.

Die Pariser Staatsanwaltschaft prüft einem Insider zufolge derzeit einen möglichen Abgasbetrug bei Renault. Die Ermittlungen in dem Fall sind offenbar so weit gediehen, dass inzwischen Richter mit der Frage befasst sind, ob es zum Prozess kommt. Renault wies den Schummelverdacht zurück. Das Unternehmen beachte alle Gesetze zu Abgasemissionen.

Dobrindt griff unterdessen Fiat Chrysler und die Aufsicht an: "Die italienischen Behörden wissen seit mehreren Monaten von uns, dass Fiat nach Auffassung unserer Fachleute illegale Abschalteinrichtungen verwendet", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag". Der italienisch-amerikanische Autobauer habe sich bisher aber verweigert, an der Aufklärung mitzuwirken. Daher habe er die EU-Kommission eingeschaltet. "Die muss konsequenterweise dafür sorgen, dass für die Fiat-Fahrzeuge ein Rückruf organisiert wird."

Abgaswerte manipuliert

Im von Volkswagen ausgelösten Dieselskandal werden bei Tests Abgaswerte manipuliert. Damit wirken die Wagen umweltfreundlicher als sie eigentlich sind. Das Verkehrsministerium in Berlin hatte bereits im September erklärt, Fiat Chrysler habe unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselmotoren verwendet. Eine Sprecherin der EU-Kommission hatte Italien am Freitag erneut dazu aufgerufen, Brüssel bald davon zu überzeugen, dass bei Fiat Chrysler alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

VW hatte nach langem Ringen mit der US-Umweltbehörde im September 2015 zugegeben, eine illegale Software zu verwenden. Diese sorgt dafür, dass Grenzwerte für gesundheitsschädliches Stickoxid nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Im normalen Strassenverkehr ist der Schadstoffausstoss um ein Vielfaches höher. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Die Aufarbeitung des Abgasskandals kostet den Wolfsburger Konzern voraussichtlich mehr als 20 Milliarden Euro. Analysten halten sogar mehr als 30 Milliarden für möglich.

(Reuters)