Digitalisierung - Bitcoin wird weiter steigen - und vier weitere Thesen für die digitale Zukunft

Die SIX führt Blockchain ein, Bitcoin steigt auf 60'000 Dollar, Programmieren wird Schul-Pflichtfach. Hier einige Thesen, wie die Digitalisierung das Jahr 2018 und darüber hinaus prägen wird.
13.12.2017 22:50
Von Pascal Züger
Computercodes gewinnen immer mehr an Bedeutung.
Computercodes gewinnen immer mehr an Bedeutung.
Bild: Pixabay

Um das Thema "Digitalisierung" kommt inzwischen keiner mehr herum. Im November 2017 fand in der Schweiz der erste Digitaltag statt, wo zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft der Bevölkerung konkret aufzuzeigen versuchten, was die Digitalisierung für die Schweiz und für jeden einzelnen überhaupt bedeutet.

Es ist ein Thema, welches bei vielen Leuten nach wie vor auch negative Assoziationen auslöst. Stichworte sind etwa Hackerangriffe, steigende Arbeitslosigkeit oder totale Überwachung durch Big Data. "Die Leute müssen sich aber entscheiden: Öffne ich mich gegenüber der Neuerung, oder verschliesse ich mich", sagte der abtretende Zuger Stadtpräsident Döfli Müller im September im Interview mit cash. Viele würden derzeit noch "zumachen", da die Digitalisierung nicht wirklich greifbar und etwas Unbekanntes sei, sagte Müller, der Bitcoin- und Blockchain-Projekte in seiner Stadt vorantrieb.

Doch die Digitalisierung schreitet schnell voran. Dadurch besteht auch die Chance, dass sie greifbarer wird. cash stellt fünf konkrete (und teils gewagte) Thesen für das Jahr 2018 und darüber hinaus auf:

These 1: Die Schweizer Börse SIX stellt auf die Blockchain-Technologie um

Häufig hört man, dass das eigentlich revolutionäre an Bitcoin die dahinterliegende Technologie Blockchain ist. Dabei handelt es sich um eine riesige, verschlüsselte Textdatei, die sämtliche Transaktionen dezentral und transparent speichert. Mit ihr sollen Zeitgewinne und vereinfachte Abläufe möglich sein. Firmen erhoffen sich dadurch auch grosse finanzielle Ersparnisse und tüfteln daher fleissig an möglichen Blockchain-Anwendungen.

Auch die Schweizer Börse SIX: In Zusammenarbeit mit der Technologiebörse Nasdaq läuft derzeit eine Testphase für den ausserbörslichen Handel mit strukturierten Produkten via Blockchain. Es handelt sich dabei um Geschäfte, die individuell zwischen Marktteilnehmern vereinbart und dezentral abgewickelt werden. Gemäss SIX sind Pläne für eine Markteinführung im Gespräch, der genaue Zeitpunkt aber noch offen. cash wagt die Prognose: Die SIX wird 2018 die Anwendung von Blockchain für den ausserbörslichen "Strukki"-Handel einführen. Ein paar Jahre später könnte auch der eigentliche Aktienhandel über die Blockchain-Technologie abgewickelt werden. Der Börsenhandel wird dadurch einfacher und günstiger.

These 2: Weitere FinTech-Firmen fallen über die Klippe

Der Gesetzgeber in der Schweiz nimmt sich der Digitalisierung an, und neben Zürich und Zug bildet sich in Chiasso ein drittes Krypto-Valley mit zahlreichen Fintech-Startups. An Investorengeld mangelt es grundsätzlich nicht. Aber Investoren auch zu überzeugen, wird für die Start-ups weiterhin das zentrale Thema sein.

Die Pleite des Zuger Vorzeige-Fintech Monetas diese Woche verdeutlicht es: Das finanzielle Umfeld für die Branche bleibt angespannt. Monetas war 2013 entstanden und entwickelte Bezahlfunktionen für Menschen ohne Bankkonto über das Smartphone, basierend auf der Blockchain. Nur: Am Ende fehlte ausgerechnet diesem bekannten und viel diskutierten Start-up das Geld. Es musste bereits im Oktober alle Mitarbeiter entlassen. Gerade in Wachstums- und Expansionsphasen kommt für diese Firmen der kritische Moment, in dem es die passenden Investoren braucht. Deswegen kommt das "nächste Monetas" bestimmt.

These 3: Das superschnelle Mobilnetz wird die Massen begeistern

Mit 2G wurden die Handys handlich, mit 3G verbreitete sich das mobile Surfen, und dank 4G können wir heute auf dem Smartphone ruckelfrei Videos schauen. In Planung ist nun das 5G, welches die Netzstabilität nochmals massiv erhöhen und die Datenübertragungsgeschwindigkeit um das Tausendfache beschleunigen kann. Das wird die Digitalisierung auf eine neue Stufe bringen und die Vernetzung von Maschinen untereinander bedeutend vorantreiben.

Im Februar 2018 soll die neue Mobilnetz-Generation in Südkorea im Rahmen der olympischen Winterspiele in Pyeongchang eingeführt und einem breiten Publikum bekannt gemacht werden. Möglich sind dadurch etwa hochaufgelöste Bilder von Helmkameras oder Datenbrillen, wo man sich aus der Perspektive eines Athleten umschauen kann. Olympia wird eine weltweite Begeisterung für die neue Technologie auslösen. In der Schweiz wollen Swisscom und Sunrise das superschnelle 5G-Mobilfunknetz im Jahr 2020 einführen.

These 4: Die Politik wird aktiver, Programmieren als Pflicht-Schulfach

Auch die Politik macht langsam Dampf in Sachen Digitalisierung: So markierten am eingangs erwähnten Schweizer Digitaltag gleich drei Bundesräte Präsenz. Ausserdem kündigte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann im Sommer an, dass der Bund 150 Millionen Franken in die digitale Grund- und Weiterbildung investieren wird. So können ab 2018 Unternehmen Subventionen für digitale Weiterbildungen ihrer Mitarbeiter beantragen.

Die Politik scheint die mit der Digitalisierung verbundenen Ängste der Bevölkerung erkannt zu haben und wird im nächsten Jahr noch häufiger solche Themen ansprechen. Vor kurzem wurde auch beschlossen, dass Informatik zum Pflichtfach für Gymnasiasten wird. 2018 könnte gar eine öffentliche Debatte um die Einführung eines obligatorischen Programmierunterrichts für Primarschüler aufkommen.

These 5: Bitcoin wird die 60'000-Dollar-Marke knacken - vielleicht

Die Kurssprünge der Kryptowährung Bitcoin sind unheimlich: Bitcoin ist aktuell knapp 17'000 Dollar wert, Anfang Jahr waren es noch 920 Dollar und noch weiter zurück, im Januar 2011, waren es gerade mal 30 Cent. Für viele ist das eine typische Blasenbildung. Fast jeder Finanzexperte rät daher von einer Investition ab, eine massive Preiskorrektur sei nur noch eine Frage der Zeit. Doch: Die warnenden Stimmen gab es bereits im Jahr 2011, als Bitcoin im Jahresverlauf 30 Dollar erreichte und dann wieder auf 3 Dollar fiel. Danach folgten regelmässig Einsturzwarnungen: Bei 100, 500, 1000, 10'000 und 15'000 Dollar. 

Wagemutige können hoffen, dass der Höhenflug noch weiter anhält. Was dafür spricht: In dieser Woche wurde in den USA der erste Bitcoin-Future eingeführt, das wird in Fintech-Kreisen als grössere Akzeptanz der Kryptowährungen durch die Finanzbranche gedeutet. Ausserdem ermöglichen solche Produkte institutionellen Investoren, die bislang aus regulatorischen Gründen fernbleiben mussten, auf den Bitcoin-Zug aufzuspringen. Weitere ähnliche Produkte werden folgen. Die Saxo Bank prognostiziert für 2018 einen Bitcoin-Preis von über 60'000 Dollar, bevor dann der grosse Crash im Folgejahr auf 1'000 Dollar folgen soll. In einschlägigen Foren ist sogar von Bitcoin-Kursen von bis zu 250'000 Dollar die Rede. Klar ist: Bitcoin kann weiter steigen, aber konkrete Preisprognosen können nicht wirklich Ernst genommen werden.

Mitarbeit: Ivo Ruch und Marc Forster