Dokumentationsaufwand der Spitalärzte ist laut Umfrage angestiegen

Der administrative Aufwand der Ärzteschaft in den Spitälern hat gemäss einer Umfrage in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Die Arbeit mit und am Patienten bildet immer noch den Kern der Arbeit von Ärztinnen und Ärzten.
06.01.2020 17:00

Allerdings hat auch die dafür aufgewendete Zeit tendenziell abgenommen, wie aus der am Montag von der FMH veröffentlichten Umfrage hervorgeht. Allerdings erfolgte die Abnahme nicht linear: 2011 betrug der prozentuale Anteil der Arbeitszeit, der in der Akutsomatik für medizinische patientennahe Tätigkeiten verwendet wurde, noch 38,5 Prozent. Im vergangenen Jahr wurde in diesem Bereich mit 33,6 Prozent ein Tiefststand seit Beginn der Erhebung verzeichnet.

Der tägliche Zeitaufwand für Dokumentationsarbeiten rund um das Patientendossier liegt mit einem Anteil von 20 Prozent auf dem zweiten Platz, wie aus der Umfrage hervorgeht. Insbesondere in der Akutsomatik und in der Rehabilitation sei ein im Vergleich zur ersten Umfrage von 2011 besonders deutlicher Anstieg der für die Dokumentation aufgewendeten Zeit festzustellen.

Damals hätten akutsomatisch tätige Ärztinnen und Ärzte dafür noch 86 Minuten pro Tag aufgewendet. heute benötigten sie mit 119 Minuten täglich über eine halbe Stunde mehr, um diese Aufgaben erledigen zu können.

In der Rehabilitation sieht die Situation ähnlich aus: Sind 2012 noch 82 Minuten benötigt worden, so sind es heutzutage 118 Minuten pro Tag für die Dokumentation. Im psychiatrischen Bereich ist der Wert von 64 Minuten pro Tag im Jahr 2011 auf heute 76 Minuten gestiegen.

Kaum Veränderungen in anderen Bereichen

Alle anderen Tätigkeiten wie Visiten (56 Minuten pro Tag), Organisatorisches (36 Minuten), sonstige administrative Tätigkeiten (25 Minuten) oder die Organisation der Nachbehandlung (18 Minuten) hätten sich seit 2011 in der Zeit, die Ärzte täglich beanspruchen, kaum verändert, heisst es.

Auch bei den Arbeiten rund um sonstige nicht-medizinische Tätigkeiten wie Kodierung, Anfragen von Krankenkassen und Kostengutsprachen seien über die Jahre relativ stabil geblieben und beanspruchten den kleinsten Teil der Arbeitszeit von akutsomatisch tätigen Ärztinnen und Ärzten.

Der steigende administrative Aufwand dürfte einer der Gründe sein, weshalb die Arbeitszufriedenheit der Ärztinnen und Ärzte über die vergangenen neun Jahre kontinuierlich gesunken sei, heisst es.

Nach wie vor seien jedoch rund vier von fünf Ärztinnen und Ärzten in der Akutsomatik und in der Psychiatrie sowie knapp 70 Prozent in der Rehabilitation sehr oder eher zufrieden mit ihrer Tätigkeit. Mehr als 90 Prozent der Befragten fänden ihre Arbeit interessant und abwechslungsreich.

Weniger Bonuszahlungen

Mehrheitlich sind die Befragten auch sehr oder eher mit ihrem Lohn zufrieden, auch wenn ein konstant hoher Leistungs- und Zeitdruck besteht. Festgestellt wurde in der Befragung auch, dass Bonuszahlungen an Bedeutung verlieren. Bei den Bonusbezügern in der Akutsomatik beispielsweise sei der Anteil der Boni am Gesamtlohn weiter gesunken und betrage derzeit durchschnittlich noch etwas über 15 Prozent.

Zielbezogene Boni könnten nämlich Fehlanreize setzen, insbesondere, wenn die Ziele an Mengenvorgaben geknüpft seien. Deshalb hat die Ärzteverbindung FMH bereits seit längerem empfohlen, in Spitalarztverträgen auf zielbezogene Bonusvereinbarungen zu verzichten.

Die Umfrage wird seit 2011 jährlich bei gfs.bern von der FMH im Auftrag gegeben. An der diesjährigen repräsentativen Umfrage über ihre Arbeit in den Spitälern haben sich 1572 Ärztinnen und Ärzte beteiligt.

mk

(AWP)