Donald Trump vs. Silicon Valley: Verlierer werden Internet-Aktien sein

Die Aktien von Internet-Riesen wie Facebook oder Amazon sackten nach der Trump-Wahl deutlich ab. Zuletzt zeigten sie Erholungstendenzen. Wird nun alles gut? Kaum.
22.11.2016 22:55
Von Daniel Hügli
Wollte Donald Trump auf den Mond schiessen: Amazon-CEO Jeff Bezos.
Wollte Donald Trump auf den Mond schiessen: Amazon-CEO Jeff Bezos.
Bild: iNg

Im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft machten die Aushängeschilder des Silicon Valley keinen Hehl daraus, wer im Weissen Haus künftig das Sagen haben sollte. Eric Schmidt, Präsident der Google-Muttergesellschaft Alphabet, wurde an einem Anlass von Hillary Clinton mit einem Ausweis ihres Wahlkampf-Teams gesichtet. Im Juli unterschrieben 140 Technologieunternehmer einen Brief gegen den Kandidaten Trump. Und Amazon-Chef Jeff Bezos wollte Trump gleich auf den Mond schiessen. 

Der einseitige Positionsbezug der erfolgsverwöhnten Stars von Facebook, Amazon, Netflix und Google (kurz: FANG) war nicht unbegründet. Trump äusserte sich im Wahlkampf wiederholt abschätzig gegen Tech-Firmen, "die nie Geld verdient haben, ein schlechtes Konzept haben und mit Milliarden von Dollars bewertet werden". So etwas hatte man von Seiten der Obama-Regierung nie vernommen.

Aktien kamen unter die Räder

Die Inhalte von Trumps Wirtschaftsprogramm haben auf dem Papier in der Tat das Zeug, dem Wachstum der Internet-Riesen aus dem Silicon Valley einen Dämpfer zu versetzen:

  • Verlagerung von Teilen der Auslandstandorte in die USA und Begrenzung der Einwanderung - dabei sind die FANG-Konzerne angewiesen auf die besten Fachkräfte aus der ganzen Welt.
  • Forderung von erheblichen Steuerzahlungen in den USA - dabei lassen viele Tech-Firmen ihre Gewinne ausserhalb der USA anfallen, sie horten dort teilweise hohe Bargeld-Bestände.
  • Generelle Kritik an Expansion und Grösse der Firmen im Silicon Valley - dabei profitiert der Standort bislang von der Freiheit von Forschung und Laissez-Faire bei der Innovation und der Umsetzung von neuen Anwendungen.

Kein Wunder, dass die FANG-Aktien nach der Wahl von Donald Trump unter die Räder kamen. Sie alle verloren in der Spitze bis 8 Prozent an Wert und fielen auf den Stand von Juli. Getrieben von Aktien der "Old Economy" kletterten derweil der Dow Jones Industrial, der breite S&P-500-Index und der viel beachtete Nebenwerteindex Russell 2000 auf neue Rekordhochs.

Die Fang-Aktien zeigen nun seit einigen Tagen deutliche Erholungstendenzen, wie das Beispiel von Amazon zeigt.

Aktienkurs von Amazon in den letzten zwölf Monaten (Quelle cash.ch).

Die Aktie hat die Verluste aus dem "Tech Meltdown" (ersichtlich ganz rechts) beinahe wieder wettgemacht, die anderen FANG-Titel sind drauf und dran, ihr Vor-Wahl-Niveau wieder zu erreichen.

Sind die Trump-Ängste in den Valley-Aktien nun vorbei? Wohl kaum. Trump bleibt bei seinen grossen Themen. Er betonte am Dienstag, dass er seine protektionistischen Pläne in Sachen grenzüberschreitenden Handel umsetzen will. Er werde zudem dafür sorgen, dass Missbräuche bei Visa-Erteilungen für IT-Fachkräfte untersucht würden, wie er in einer Videobotschaft sagte.

Doch viele weitere, nicht so bekannte Faktoren als die noch Pläne und Gedanken von Trump zu Handel und Wachstumsbeschränkung könnten in den nächsten Jahren auf den Aktien der Internet-Riesen lasten. So werden Amazon eine mögliche Abschaffung von Freiheiten im Bereich Mehrwertsteuer Bauchweh verursachen. Dies brachte dem E-Commerce-Unternehmen bislang gegenüber dem Detailhandel deutliche Vorteile.

Rolle der Federal Communications Commission

Mit Stirnrunzeln blicken die Internet-Riesen auf die künftige Rolle der Federal Communications Commission (FCC). Chef der Aufsichtsbehörde war bislang ein Demokrat, und Beobachter sagen, dass vor allem Google von der liberalen Politik der Behörde profitiert habe. Hier wird das Pendel nun wohl zurückschlagen. Ein Beispiel ist die geplante US-Liberalisierung des Marktes für wichtige Set-Top-Boxen, welche nun wohl abgeblasen wird. Google (und auch Apple) rieben sich schon die Hände, den liberalisierten Markt aufzumischen.

Zentral ist auch das Thema Netzneutralität. Trump holte den Telekom-Lobbyisten Jeffrey Eisenach in sein Übergangsteam. Er gilt als entschiedener Gegner der Gleichbehandlung aller Daten und Dienste im Internet, eine Vorschrift, welche die FCC den traditionellen Telekombetreiber auferlegt hatte und die nun wieder abgeschafft werden könnte. Die grossen Provider werden dann wohl Konkurrenten mit Einschränkungen beim Datenverkehr benachteiligen und von Kunden mehr Geld verlangen, damit sie Anbieter wie Netflix einwandfrei empfangen können.

Steuern wir auf ein aufreibendes Kräftemessen zwischen der digitalen Avantgarde des Silicon Valley und der Trump-Administration in den nächsten Jahren zu? Das ist durchaus möglich. Patrick Ruffini, ein Stratege der Republikaner, der jahrelang in der Tech-Industrie gearbeitet hat, gab am 1. Juni der "New York Times" zu Protokoll: "Das Silicon Valley muss lernen, dass es nicht mehr ausschliesslich als wohlmeinender Akteur wahrgenommen wird. Die Ära der Sonderstellung des Silicon Valley ist vorbei".