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Dougans Helfer warteten zu lange

Brady Dougan tritt als CEO der Credit Suisse ab. Der Abgang erfolgt um Jahre zu spät. Die Zerstörung von Aktionärswert und Goodwill ist immens.
10.03.2015 12:35
Von Daniel Hügli, Chefredakor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Unter Journalisten kursierten schon lange Witzchen wie diese: "Gibt es etwas, das Du bis zur Deiner Pensionierung nicht erleben wirst? Ja, den Abgang von Brady Dougan als CEO von Credit Suisse." Wir auf der Redaktion von cash spielten bisweilen auch mit dem Gedanken, nach einer Pressekonferenz der CS auf unserer Website statt einem aktuellen ein fünf Jahre altes Dougan-Video-Interview abzuspielen. Wir hätten darauf gewettet, dass das wohl niemand gemerkt hätte.

Stoisch, stur, scheinbar unfehlbar: Seit 2007 war Dougan an den Schalthebeln der zweigrössten Schweizer Bank. Der klassische US-Investmentbanker kam am Höhepunkt der Börsen- und Kapitalmarkthausse an die CS-Spitze. Er brachte die Bank durch die Stürme der Bankenkrise, ohne dass sie, wie die UBS, den Steuerzahler belangen musste. Die CS war zeitweise, gemessen an der Börsenkapitalisierung, die grösste Bank der Schweiz.

Dieser Höhenflug bekam ihr nicht gut. Die Bank war unter Dougan und dem CS-Verwaltungsrat fortan veränderungsunwillig, selbstgefällig, bisweilen arrogant. Dougan wollte bis zuletzt in der weltweiten Champions League der Investmentbanken mitkicken - während die UBS dem neuen regulatorischen Umfeld Tribut zollte und diese volatile und kapitalintensive Einheit unter Inkaufnahme von Milliardenkosten herunterfuhr.

Ein Warnsignal für den CS-Verwaltungsrat unter der Leitung von Urs Rohner war schon lange die Kursentwicklung der eigenen Aktie. Seit Mitte 2011 driften die Kurse von UBS und CS immer mehr auseinander. Qatar und der saudiarabische Olayan-Clan kontrollieren über ein Drittel des CS-Kapitals. Der mächtige Beschützer von Dougan im CS-Verwaltungsrat, der Vertreter der Qatar Holding, nahm den Verlust von Aktionärswert in Kauf. Die Hoffung auf ein wirkliches und gewinnträchtiges Revival des Investmentbankings bestand weiter. 

Doch diese Hoffnung hat sich bislang nicht erfüllt. Und des Schlechten genug ist auch die Kursentwicklung der CS-Aktie. Sie hat in diesem Jahr erneut 8 Prozent verloren. Nur griechische Banken performten in Europa zweitweise noch schlechter. Kleinere, aber mächtige CS-Shareholder angelsächsischer Herkunft wie Blackrock oder Harris liessen sich dies offensichtlich nicht länger gefallen.

Der neue Mann, der Prudential-CEO Tidjane Thiam, hat keine operative Erfahrung in einer Bank, dafür viel Asien-Erfahrung. Ein Versicherungs-Experte an der Spitze einer Grossbank zeigt, wohin die Reise bei der CS gehen soll. Weg von der Volatilität und dem Risiko, hin zum Asset Management, also zur Vermögensverwaltung. Ein Schritt, der spät kommt für die CS. Zu spät?