Draghi pumpt weitere 540 Milliarden Euro in den Markt

Die EZB pumpt noch wesentlich länger billiges Geld in die Bankenbranche. Und zwar mindestens bis Ende 2017.
08.12.2016 16:30
«Eine nachhaltige Präsenz ist auch die Nachricht der heutigen Entscheidung»: EZB-Chef Mario Draghi.
«Eine nachhaltige Präsenz ist auch die Nachricht der heutigen Entscheidung»: EZB-Chef Mario Draghi.
Bild: Bloomberg

Notenbank-Präsident Mario Draghi kündigte am Donnerstag an, die bislang auf 1,74 Billionen Euro angelegten Anleihenkäufe zur Stützung der Konjunktur um neun Monate bis mindestens Ende Dezember 2017 zu verlängern - allerdings bei einem niedrigeren monatlichen Umfang.

Damit stocken die Währungshüter ihr vor allem in Deutschland umstrittenes Programm um über eine halbe Billion Euro auf. Zugleich wird die EZB einige Stellschrauben ihrer Transaktionen nachjustieren, damit sie auch künftig noch genügend Papiere findet, die sie nach ihren eigenen Regeln kaufen darf. Mit den Beschlüssen sorgte die EZB an den Börsen für eine Überraschung. Denn dort wurde nur mit einer Ausdehnung um sechs Monate bei allerdings gleichbleibendem Monatsvolumen gerechnet.

Der Dax kletterte in Frankfurt um 1,5 Prozent auf ein Jahreshoch von 11'151 Punkten, der EuroStoxx50 notierte mit 3174 Punkten so hoch wie seit Januar nicht mehr. Der Euro fiel dagegen um bis zu 1,2 Prozent auf 1,0622 Dollar. Der SMI reagierte kaum auf die Ankündigung.

Die EZB will Draghi zufolge vermitteln, dass sie noch lange an den Märkten mitmischen wird. "Eine nachhaltige Präsenz ist auch die Nachricht der heutigen Entscheidung", so der 69-jährige Italiener. Deshalb sei auch nicht über ein Tapering - einen allmählichen Ausstieg aus den Wertpapierkäufen - diskutiert worden. Die Verringerung des monatlichen Umfangs sei noch kein Tapering. Die Wirtschaft der Euro-Zone sei noch nicht über den Berg, eine Aufstockung der Käufe daher jederzeit wieder möglich.

Neues Gesamtvolumen: 2,28 Billionen Euro

Die EZB will von April 2017 an die Käufe von 80 auf 60 Milliarden Euro monatlich drosseln. Insgesamt kommen damit weitere Geldspritzen von 540 Milliarden Euro hinzu, das anvisierte Gesamtvolumen des Programms schwillt so auf 2,28 Billionen Euro an.

Das klinge nach einem typischen EZB-Kompromiss, kommentierte der Chefökonom der Nordea-Bank, Holger Sandte. Die EZB bleibe auf dem Gaspedal. "Das Zurückfahren der Anleihenkäufe wird ein langer Prozess, Zinserhöhungen deuten sich noch lange nicht an." Die Leitzinsen tastete die EZB erwartungsgemäss nicht an. Sie liegen seit März auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer zufolge zeigen die Beschlüsse noch nicht das Ende der grossen Geldflut an. "Das ist kein Einstieg in den Ausstieg. Die lockere Geldpolitik wird nicht einfach beendet, denn die Staatsschuldenkrise ist noch nicht gelöst", so der Experte.

Draghi sprach von gestiegenen politischen Unsicherheiten in der Euro-Zone. "Man muss sich nur den Wahlkalender im nächsten Jahr anschauen." In Deutschland, Frankreich und in den Niederlanden stehen 2017 Wahlen an. Und in Italien wird die Regierung nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum umgebildet. Sollten in den grossen Volkswirtschaften des Währungsraums populistische Parteien an Boden gewinnen, könnte dies die Reformbereitschaft der Länder bremsen - mit negativen Folgen für die Konjunktur. Draghi erneuerte deshalb seinen Appell, bei notwendigen Reformen nicht nachzulassen.

Inflation für die EZB weiterhin zu niedrig

Die EZB hatte immer wieder deutlich gemacht, die lockere Geldpolitik beizubehalten, um ihr Inflationsziel zu erreichen. Sie strebt knapp 2 Prozent Teuerung als Idealniveau für die Wirtschaft an. Doch davon ist sie weit entfernt: Im November hatten die Konsumentenpreise lediglich um 0,6 Prozent angezogen. Inzwischen verfehlen die Euro-Wächter ihr Ziel bereits seit Frühjahr 2013. Ihre hausinternen Ökonomen rechnen erst 2019 mit einem Wert von 1,7 Prozent, also näher an der angepeilten Marke.

Die Notenbank kündigte zudem an, ab Anfang Januar einige Stellschrauben des Anleihenkaufprogramms zu ändern. So will sie künftig auch Bonds mit einer Laufzeit von einem Jahr erwerben. Damit erweitere sie die Gruppe der aufkaufbaren Papiere. Bisher erwarben die Währungshüter nur Titel mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren. Künftig sollen auch Käufe von Anleihen mit Renditen unter dem Einlagenzins von aktuell minus 0,4 Prozent erlaubt sein.

(Reuters)