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Drei Jahre Mindestkurs - und drei Jahre drauf

Morgen Samstag jährt sich der Tag zum dritten Mal, an dem der Franken gegen den Euro verrückt spielte. Kurz darauf reagierte die Nationalbank mit der Einfühung der Kursuntergrenze. Ein Blick zurück und nach vorne.
08.08.2014 00:55
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash
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Bild: cash

Man kann es aus heutiger Sicht kaum mehr glauben, was sich am 9. August 2011 an den Devisenmärkten zutrug. An diesem dramatischen Dienstag legte der Franken gegenüber dem Euro um bis acht Rappen zu. Die Schweizer Währung erreichte mit einem kurzzeitigen Kurs von 1,0070 praktisch die Parität zur europäischen Gemeinschaftswährung. Gegen gegen US-Währung wertete sich der Franken an einem Tag um 5 Rappen auf und erreichte 70,69 Rappen pro Dollar.

Gewiefte Kleinanleger nutzten die Gunst der Stunde und kauften en masse die Fremdwährungen - damit das Feriengeld und die Auslandeinkäufe in den nächsten Jahre gesichert waren. Aber auch grosse Tiere konnten der Verlockung nicht widerstehen. Das Ehepaar Philipp und Kashya Hildebrand kaufte sich sechs Tage später auf privater Basis für eine halbe Million Franken Dollar. Der dummdreiste Devisenkauf zwang den Nationalbankpräsidenten fünf Monate später zum Rücktritt.

Die aus den Fugen geratene Landeswährung setzte alle unter Druck, die auf einen stabilen oder schwachen Franken angewiesen sind: Tourismusbranche, Exportwirtschaft, Detailhändler, Autoimporteure etc. Der grösste Handlungsdruck lastete jedoch auf der Schweizerischen Nationalbank. Unter dem Schock des 9. August verkündete sie am 6. September die Franken-Kursuntergrenze zum Euro.

Seither leben wir mit der Marke 1,20 Franken. Die drei Jahre sind im Rückblick ein längerer Zeitraum, als von vielen damals angenommen wurde. Doch die fragile Lage und die schleppende wirtschaftliche Erholung in der Eurozone sowie die damit einhergehende Tiefzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) liessen der SNB keine andere Wahl, als die Notmassnahme bis heute durchzuziehen.

Aus marktliberaler Sicht ist der Eingriff der SNB in den Markt natürlich ein Unding. Und mit dem Schritt zur Kursuntergrenze hat die SNB den Glauben an eine freien und effektiven Wechselkurs aufgegeben. Zudem akzeptiert die SNB mit Euro-Staubsaugerkäufen erhebliche Verlustrisiken in ihrer Bilanz. "Ich hätte das nicht getan", sagte mir noch im letzten Jahr ein ranghoher EZB-Funktionär in Frankfurt im vertraulichen Gespräch.

Dennoch leben wir mit dem pragmatischen SNB-Akt und der Kursuntergrenze mehr recht als schlecht. Sie garantiert den Schweizer Exporteuren Planungssicherheit, sie verhinderte einen Absturz der Schweizer Volkswirtschaft. Bemerkenswert auch: Die SNB, die sich noch vor Jahren im Krieg mit den Märkten befand, hat die Spekulanten mit ihren Drohungen erfolgreich eingeschüchtert. Je länger, je deutlicher konnte sie den Wechselkurs von der Marke 1,20 fernhalten. Und: Die Kritik an der SNB, vor allem von rechtskonservativen Kreisen, ist weitgehend verstummt. Das ist bemerkenswert, weil die Notenbanker vom Zürcher Bürkliplatz ihre Zinspolitik weitgehend nach Frankfurt zur EZB delegiert haben.

Die SNB ist an einen tiefen Leitzins gebunden, um so die Attraktivität des ohnehin überbewerteten Frankens vor allem gegenüber dem Euro nicht weiter zu erhöhen. Und so lange die EZB das Geld nicht verteuert, kann dies die SNB auch nicht tun. Und aufgrund der Zinsprognosen für den Euroraum wird die Schweiz somit auch die nächsten drei Jahren mit der Kursuntergrenze leben müssen.

Damit ist nicht gesagt, dass es an der Währungsfront - wie zuletzt - relativ ruhig bleibt. Gefahren sind die Eskalation geopolitischer Brandherde, ein Scheitern der europäischen Bankenunion, eine Rezession in Europa und Deflationsgefahren in der Schweiz. Und eine Annäherung der Kaufkraftparität der Währungsräume brächte der SNB ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Die SNB muss ihre Politik in den nächsten Jahren hart durchziehen. Sie wird Glück haben, wenn sich die Dinge in Europa zum Guten wenden. Bis dann der nächste Brocken kommt: Die Normalisierung der Geldpolitik und der Exit aus der Kursuntergrenze.